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Biodiesel

Bio- oder Agrodiesel ist chemisch betrachtet Fettsäuremethylester (FAME), der in der Regel aus Pflanzenölen hergestellt wird, aber auch andere fettsäurehaltigen Biomassen wie tierische Fette und Altfette aus der Nahrungsmittelherstellung können normgerecht verwendet werden. Als Reinkraftstoff wird Biodiesel auch als B 100 bezeichnet und muss den Anforderungen der DIN EN 14214, Ausgabe 2003 genügen.

Nach dem Biokraftstoffquotengesetz (BioKraftQuG vom 18. Dezember 2006) muss ein biogener Anteil im Dieselkraftstoff von mindestens 4,4 Prozent erreicht werden. Der Mindestanteil der Biokraftstoffe an der Kraftstoffgesamtmenge soll 2009 6,25 Prozent betragen. Um diese Verpflichtung zu erfüllen, kann nach der Kraftstoffverordnung (10. BImSchV vom 31. Januar 2009) Dieselkraftstoff mit Beimischungsanteilen von 5 und 7 Prozent Biodiesel in Verkehr gebracht werden.

Die 5-prozentige Beimischung entspricht dem herkömmlichen Dieselkraftstoff der DIN EN 590, wie er bisher an den Tankstellen angeboten wurde.

Ab dem 1. Februar 2009 ist mit dem Kraftstoff B7 (enthält 7 Prozent Biodiesel) ein neuer Kraftstoff an den Tankstellen erhältlich. Dieser Kraftstoff muss die Norm DIN EN 51628, Ausgabe August 2008, erfüllen. Beim Tanken mit B7 wird empfohlen, streng auf die vom Hersteller empfohlenen Ölwechselintervalle zu achten, um Schäden am Motor zu vermeiden. (siehe unten: Infobroschüre "Mehr Bio im Diesel - Worauf Sie achten müssen!)

Tanken von Biodiesel

Mit Biodiesel betriebene Forstwirtschaftsmaschine - Biodiesel wird immer häufiger zum Betrieb von Nutzfahrzeugen in der Land- und Forstwirtschaft verwendet  (© MUGV)Mit Biodiesel betriebene Forstwirtschaftsmaschine - Biodiesel wird immer häufiger zum Betrieb von Nutzfahrzeugen in der Land- und Forstwirtschaft verwendet © MUGVAufgrund von Beimischungsanforderungen nach dem Biokraftstoffquotengesetz sowie der steuerlichen Regelungen nach dem Energiesteuergesetz ist der Absatz an reinem Biodiesel seit 2007 stark rückläufig. Nachdem Biodiesel über viele Jahre etwa 10 Cent billiger als herkömmlicher Diesel war, hat sich dieses Verhältnis seit November 2008 durch den gestiegenen Marktpreis von Pflanzenölen, den höheren Energiesteuersatz sowie die gesunkenen Mineralölpreise auf dem Weltmarkt geändert; nunmehr muss für Biodiesel rund 10 Cent mehr an den Tankstellen ausgegeben werden.

Hinzu kommt ein Mehrverbrauch von Biodiesel bis zu 10 Prozent, weshalb sich das Tanken für den Verbraucher nicht mehr lohnt. Dies hat eine stetige Abnahme von Tankstellen, die den reinen Biokraftstoff anbieten, zur Folge. Im Jahr 2007 haben in Brandenburg noch 52 Tankstellen reinen Biodiesel angeboten.

Die Qualität des angebotenen Diesels wird entsprechend den Vorgaben der 10. BImSchV überwacht. Wiederholt wurden Qualitätsmängel festgestellt (siehe Untersuchungsergebnisse), die sich auf die Funktionstüchtigkeit des Fahrzeuges auswirken können. Generell ist beim Tanken von Biodiesel darauf zu achten, dass der Fahrzeughersteller eine entsprechende Freigabe dazu erteilt hat. Verfügt das Fahrzeug über einen Partikelfilter, kann es zu ebenfalls zu Problemen kommen; die Tauglichkeit des eingebauten Filters für einen Biodieselbetrieb sollte bei der Herstellerfirma bzw. der Werkstatt unbedingt erfragt werden.

Emissionsverhalten von Biodiesel 

Raps, ein Kraftstoff vom Feld (© MUGV)Raps, ein Kraftstoff vom Feld © MUGVDie Vorteile des Biodiesels hinsichtlich seines Emissionsverhaltens liegen in seiner praktischen Schwefelfreiheit und der Reduktion der Kohlenmonoxid-Emissionen um ca. 40 - 50 Prozent gegenüber herkömmlichem Diesel. Weniger Rußpartikel (bezogen auf die Masse) werden im Biodieselbetrieb emittiert als im Dieselbetrieb ohne Partikelfilter. Gegenüber Dieselfahrzeugen mit serienmäßigen Partikelfiltersystemen (Reduktion der Partikel bis zu 98 Prozent) weisen jedoch biodieselbetriebene Fahrzeuge ohne Partikelfilter deutlich höhere Emissionen auf.

Problematisch sind die um bis zu 10Prozent höheren Stickoxidemissionen im Biodieselbetrieb. Insbesondere vor dem Hintergrund der Einhaltung der Grenzwerte für die Luftschadstoffe Feinstaub (PM 10) und Stickstoffdioxid (NO2) ist es erforderlich, Kraftstoffe zu verwenden, die die Luftqualität in den stark verkehrsfrequentierten Städten nicht weiter belasten.

Mit der Fortschreibung der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 wird der Grenzwert für NOx auf 180 mg/km (Euro 5 ab 1. September 2009) und 80 mg/km (Euro 6 ab 1. August 2014) herabgesetzt. Aufgrund der chemisch-physikalischen Eigenschaften von Biodiesel stößt die Biodieselnutzung im Pkw-Bereich hier an seine fahrzeugtechnischen Grenzen.

Untersuchungen zum Emissionsverhalten des Kraftstoffes mit einem 7-prozentigem Biodieselanteil liegen bisher allerdings nicht in ausreichendem Maß vor, um konkretere Aussagen dazu treffen zu können.

Biodieselproduktion

Die Biodiesel-Produktionskapazität in Deutschland betrug 2007 rund 4,4 Mio. Tonnen (Vergleich 2006: 2,8 Mio Tonnen); rund eine halbe Millionen Tonnen werden davon in Brandenburg in 5 Anlagen produziert.

AnlageProduktionskapazität
in Tausend Tonnen
Jahresproduktion 2007
in Tausend Tonnen
Biodiesel Schwarzheide GmbH 150 138
Biodiesel Wittenberge GmbH 120 127
ElbeOel Prignitz AG 130 75
BDK Biodieselanlage Kyritz  30 31
VERBIO Diesel Schwedt GmbH  150 177
Biodiesel insgesamt 580 548

In Brandenburg werden Ölpflanzen, die sich für eine Nutzung als Kraftstoff eignen würden, auf ca. 135.000 Hektar angebaut (Agrarbericht 2008). Würde man die gesamte Ölsaat zu Kraftstoff verarbeiten, wären rund 190.000 Tonnen Biodiesel theoretisch - wenn man andere Verwendungen wie die Nahrungsmittelproduktion nicht berücksichtigt - herstellbar; d.h. nur 30 Prozent der in den Biodieselanlagen verarbeiteten Ölsaaten kämen aus der Region. Die Tatsache, dass der überwiegende Teil der pflanzlichen Rohstoffe für die Biodieselproduktion aus Importen stammt, zeigt, wie notwendig international verbindliche Regelungen für einen nachhaltigen Anbau sind, um negative Wirkungen auf den Naturhaushalt, die Ernährungs- und Lebenssituation der Menschen in den Exportländern auszuschließen.

Ausblick

Die Zukunft des Biodiesels im Kraftstoffbereich sollte im Bereich der Beimischung zum mineralischen Diesel liegen. Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Anbauflächen und pflanzlichen Rohstoffen ist- wenn man die Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung als Bewertungsgrundlage ansieht - die Höhe der Beimischung begrenzt. Höhere Beimischungsquoten sind davon abhängig zu machen, welche Auswirkungen dies auf die Landnutzung u.a. auch zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion, die Luftqualität und den Klimaschutz hat.

Aufgrund der besseren biologischen Abbaubarkeit von Biodiesel und seiner Einstufung in die Wassergefährdungsklasse 1 (schwach wassergefährdend - im Gegensatz zu Diesel (WGK 2 = wassergefährdend) ist der Einsatz von Biodiesel als Reinkraftstoff in umweltsensiblen Gebieten (Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete), der Land- und Forstwirtschaft und der Schifffahrt recht gut geeignet. Dort können die Vorteile des Biodiesels ausgeschöpft und anwendungsorientiert genutzt werden. Hier dürfte deshalb auch der höchste Umweltnutzen liegen.

Letzte Aktualisierung: 29.05.2012

Übersicht


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Kontakt:

MLUL, Abteilung Umwelt,
Klimaschutz, Nachhaltigkeit
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