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AUJ Nr. 12, Dez. 2002

Berichte aus dem Agrar- und UmweltJournal zu Natura 2000

Wälder gehören in Mitteleuropa zu den artenreichsten Landökosystemen, unabhängig davon, ob sie bewirtschaftet werden oder nicht, alte Waldstandorte darstellen oder aus Neuaufforstungen stammen. Auch die Wälder in Brandenburg haben eine hohe Bedeutung im Rahmen des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Das gilt insbesondere für die Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH). Von den 477 gemeldeten FFH-Gebieten Brandenburgs mit einer Fläche von insgesamt 304.464 Hektar sind 144.020 Hektar Wald.

Der Norden Brandenburgs gehört zum Hauptverbreitungsgebiet der Buche. Die Buchenwälder des nordostdeutschen Tieflandes machen etwa die Hälfte des europäischen Bestandes der baltischen Buchenwälder aus. Somit kommt Brandenburg eine besondere Verantwortung für die Erhaltung und Entwicklung naturnaher Buchenbestände zu.

Die Auswahlkriterien für FFH-Gebiete im Wald

Farbenpracht im Herbstwald (© Dr. Thilo Geisel, MUGV) Die Auswahl der Gebiete erfolgte prinzipiell nach zwei Möglichkeiten, wobei auch beide Varianten auf ein Gebiet zutreffen können. Das Vorkommen natürlicher Lebensräume (Lebensraumtypen - LRT) ist in gemeinschaftlichem Interesse gemäß Anhang I der FFH-Richtlinie ein entscheidendes Auswahlkriterium. Die wichtigsten Wald-Lebensraumtypen in Brandenburg sind:

  • Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum) 
  • Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum) 
  • Orchideen-Buchenwald (Cephalanthero-Fagion) 
  • Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (Stellario-Carpinetum) 
  • Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Carpinetum) 
  • Schlucht- und Hangmischwälder (Tilio-Acerion) 
  • Alte bodensaure Eichenwälder mit Quercus robur auf Sandebenen 
  • Birken-Moorwälder 
  • Moorwälder 
  • Erlen- und Eschenwälder an Fließgewässern (Alnion glutinoso-incanae) 
  • Hartholzauenwälder

Typisch für Brandenburg sind weiterhin die Wälder der organischen Standorte (Moorwälder) oder die Erlen-Eschenwälder im Spreewald. Diese sind auch sogenannte prioritäre Lebensräume. Dazu kommen noch Lebensraumtypen der offenen Landschaft, die auch im Sinne des Landeswaldgesetzes zum Wald gehören können. Das sind u. a. Sandheiden mit Calluna und Genista, offene Grasflächen auf Binnendünen, Trockenheiden sowie sonstige Moore.

Ein weiteres Auswahlkriterium für die Meldung von FFH-Gebieten ist das Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse gem. Anhang II FFH-Richtlinie. Wald- bzw. waldnahe Pflanzenarten sind z. B. die Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides) und der Frauenschuh (Cypripedium calceolous). Tierarten, welche überwiegend im Wald vorkommen und im Anhang II der FFH-Richtlinie aufgeführt werden, sind in Brandenburg u. a. der Eichenbock (Cerambyx cerdo), der Hirschkäfer (Lucanus cervus), der Eremit (Osmoderma eremita), verschiedene Schmetterlinge und Libellen sowie die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis), der Fischotter (Lutra lutra), der Elbebiber (Castor fiber albicus), die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), Bechstein-Fledermaus (Myotis bechsteini) und das Große Mausohr (Myotis myotis).

Die ausgewählten FFH-Gebiete müssen für den jeweiligen Naturraum in typischer Ausprägung vorhanden sein. Weiterhin werden Waldflächen, die im funktionellen Zusammenhang mit der typischen Pflanzen- oder Tierart stehen, in die FFH-Gebiete integriert, so zum Beispiel Waldflächen an Fließgewässern mit Bibervorkommen. Darüber hinaus werden auch Waldflächen, die beispielsweise mit anderen Baumarten innerhalb eines größeren Buchenwaldkomplexes bestockt sind, als Puffer- und Verbindungselemente in das Gebiet einbezogen.

Sicherung der Gebiete

Neben den bekannten Instrumenten wie die rechtliche Sicherung als Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiet kommt für den Erhalt des Gebietes in vielen Fällen das geltende Forst- und Jagdrecht in Frage. Nicht zuletzt wurde ja auch durch die Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes die ordnungsgemäße Forstwirtschaft konkreter definiert (z. B. Verzicht auf Kahlschläge). Dies muss nun auch bei der Novellierung des Landeswaldgesetzes berücksichtigt werden.

Ein durchaus erfolgversprechendes Instrument ist die vertragliche Vereinbarung zwischen Waldeigentümer und dem Land zur Umsetzung bestimmter Erhaltungsmaßnahmen. Im Rahmen der Förderrichtlinie zur Umsetzung einer standortgerechten und naturnahen Waldbewirtschaftung können Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraumes für Tiere und Pflanzen gefördert werden.

Eine weitere Möglichkeit zur Umsetzung von Erhaltungsmaßnahmen in FFH-Gebieten könnte die Selbstverpflichtung des Eigentümers oder Nutzers im Rahmen der Zertifizierung von Forstbetrieben sein. So ist es nach den Kriterien beider Systeme - von begründeten Ausnahmefällen abgesehen - nicht zulässig, Pflanzenschutzmittel einzusetzen oder den Waldboden zu befahren. Dagegen darf Totholz in begrenzter Menge im Wald belassen werden.

Die Landesforstverwaltung ist in die Bearbeitung der FFH-Gebiete einbezogen. Dazu gehört die Kartierung der Gebiete mit einer Bewertung des Zustandes der Lebensräume, die Erarbeitung von Erhaltungsmaßnahmen sowie das Monitoring. Darüber hinaus kann der Revierförster, der ständig im Revier präsent ist, als Gebietsbetreuer eingesetzt werden.

Für sechs von 19 FFH-Gebieten mit hohem Waldanteil wurde unter Anleitung der Landesforstanstalt Eberswalde und unter Mitarbeit von Forstbediensteten mit der Biotopkartierung begonnen. Nach Abschluss der Kartierungsarbeiten werden für die Gebiete ohne Schutzstatus nach § 19 Brandenburger Naturschutzgesetz (BbgNatSchG) - Managementpläne erarbeitet.

Der Melzower Forst

Ein Beispiel für die Umsetzung ist das FFH- und Naturschutzgebiet Melzower Forst im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Es handelt sich dabei fast ausschließlich um Wälder innerhalb des Baltischen Buchenwaldareals. Als Lebensräume nach Anhang I der FFH-Richtlinie kommen in diesem Wald kalkreiche Sümpfe, Kalktuff-Quellen, Moorwälder, Erlen- Eschenwälder an Fließgewässern, Waldmeister-Buchenwald und Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald vor. Folgende Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie wurden nachweislich kartiert: die Große Moosjungfer, die Rotbauchunke, der Kamm-Molch, die Europäische Sumpfschildkröte und der Fischotter.

Für das Gebiet liegt bereits eine flächendeckende Biotopkartierung vor. Daraus wurden folgende Erhaltungsmaßnahmen zur Sicherung der Lebensraumtypen abgeleitet:

  1. Kein flächiger Einsatz von Maschinen, 
  2. Schonende Bodenbearbeitung (kein Pflügen in den Mineralboden hinein), 
  3. Forstliche Arbeiten auf hydromorphen Böden nur bei Frost, 
  4. Keine Verunreinigung mit Schmierstoffen, 
  5. Keine Quellfassungen oder Verrohrungen, 
  6. Kein Durchfahren der Bachläufe, 
  7. Keine Kalkung auf den Flächen, 
  8. Mischungsregulierung zugunsten der Baumarten der natürlichen Waldgesellschaften, 
  9. Einstellung der Nutzung von bestimmten Flächen (Horstschutzbereiche) für einen bestimmten jahreszeitlichen Zeitraum, 
  10. Belassen von mindestens drei dauerhaft markierten Altbäumen je Hektar aus der Nutzung bis zum Zerfall, 
  11. Kontinuierliche Sicherung von 10 Prozent Altholzanteil in > 120-jährigen Beständen, 
  12. Einzelstammweise oder kleingruppenweise Nutzung, 
  13. Walderneuerung durch Naturverjüngung, 
  14. Es dürfen nur Baumarten der natürlichen Waldgesellschaften eingebracht werden, 
  15. Kein Fällen von Horst- und Höhlenbäumen, 
  16. Stehendes Totholz mit mehr als 30 Zentimeter in 1,3 Meter über Stammfuß wird nicht gefällt, 
  17. Keine wirtschaftliche Maßnahmen auf Mooren, 
  18. Regulierung des Schalenwildes differenziert nach Arten;

Buchenwald im Melzower Forst (© Dr. Thilo Geisel, MUGV) Beim Naturschutzgebiet Melzower Forst handelt es sich zum großen Teil um Landeswald. Dieser ist nach den Kriterien von PEFC und zusätzlich FSC zertifiziert. Dadurch ergibt sich schon eine nahezu vollständige Übereinstimmung mit den Bewirtschaftungszielen. Alle geforderten Erhaltungsmaßnahmen werden durch die Zertifizierungsbüros ständig überprüft. Besondere Maßnahmen zur Verbesserung von Biotopen wie Wiedervernässen von Mooren oder Mähen von Waldwiesen werden ebenfalls durchgeführt.

Im Bereich des Privatwaldes muss geprüft werden, welche Maßnahmen mit welchen Instrumenten umgesetzt werden können. Einige Vorgaben sind bereits durch die Schutzgebietsverordnung geregelt. Dazu zählen das Verbot des Einbringens gebietsfremder Baumarten sowie das Verbot mineralischer Düngung. Weiterhin gehören viele Maßnahmen zur guten fachlichen Praxis der Bewirtschaftung von Wäldern. Das betrifft die einzelstammweise Nutzung, die Vermeidung großflächigen Maschineneinsatzes, die schonende Bodenbearbeitung sowie die Walderneuerung durch Naturverjüngung.

Bei der Umsetzung der FFH-Richtlinie im Wald sind bei verantwortungsvollem Umgang mit den entsprechenden Instrumentarien keine größeren Konflikte mit den Nutzungsinteressen zu erwarten.

Letzte Aktualisierung: 31.01.2013

Übersicht


Natura 2000 in Brandenburg


 


Kontakt:

MLUL, Abteilung Naturschutz
Stabsstelle Umsetzung FFH-Richtlinie
Sabine Mautz
Tel.: 0331/ 866 -7192
E-Mail an: Sabine Mautz