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Naturschutz auf Truppenübungsplätzen

Ehemaliger Truppenübungsplatz Jüterbog (© NP Nuthe-Nieplitz) Brandenburg, das Land ausgedehnter nährstoff- und siedlungsarmer Sandböden, ist auch aus diesem Grund traditioneller Standort großflächiger militärischer Übungsplätze (TÜP). Noch 1990 nahmen TÜP mit 230.000 Hektar ca. 8 Prozent der Landesfläche ein. Etwa die Hälfte der Fläche wurde zwischen 1990 und 1993 von der Westgruppe der Truppen der Sowjetarmee (WGT) geräumt. Neben umfangreichen Altlasten hinterließ sie durch militärische Nutzung großflächig umgestaltete, teils geradezu verwüstete Landschaften. Diese im heutigen Mitteleuropa exotisch wirkenden Flächen sind durch extreme Standortbedingungen sowie Nährstoffarmut Lebensraum vieler in der intensiv genutzten Kulturlandschaft verdrängter Pflanzen- und Tierarten, aber auch von Neusiedlern und durchziehenden Gästen. Dadurch sind bestehende und aufgegebene TÜP von herausragender Bedeutung für den Naturschutz, für die Landschaftsökologie und mit ihrer Konversion auch für die Erholungsnutzung.

Zum 1. Juli 1994 übertrug der Bund im Rahmen eines gemeinsamen Verwaltungsabkommens dem Land Brandenburg unentgeltlich rund 93.000 Hektar ehemalige WGT-Flächen. Auf Grundlage des am 18. Mai 1994 verabschiedeten WGT-Gesetzes wurden die WGT-Flächen als Sondervermögen der eigens dafür gegründeten Brandenburgischen Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und -verwertung mbH (BBG) zur treuhänderischen Sicherung, Sanierung, Entwicklung und Verwertung übergeben. Diesen Auftrag hat die inzwischen privatisierte BBG ganz überwiegend erfüllt.

Für den von Naturschutzverbänden und –stiftungen erworbenen größten Teil von insgesamt etwa 76.000 Hektar der 16 WGT-Flächen, beispielhaft genannt seien Jüterbog-West und -Ost, Lieberoser und Reicherskreuzer Heide, Vogelsang und künftig möglichst auch die darin noch nicht enthaltene Wittstocker Heide, hat sich das Land die Entwicklung zu naturnah bewirtschafteten oder sich natürlich entwickelnden Lebensräumen zum Ziel gesetzt. Das folgt dem im WGT-Gesetz zitierte Ziel der Raumordnung und Landesplanung der Erhaltung von siedlungsfreien Räumen und Naturschutzflächen.

Wegen der hervorragenden naturschutzfachlichen Qualitäten der TÜP Lieberose und Jüterbog-West beschloss die Landesregierung, 10.800 Hektar dieser WGT-Flächen an die Stiftung "Naturlandschaften Brandenburg" zu übertragen.

Aber auch die kleineren verstreut im Land liegenden WGT-Flächen sind aufgrund ihrer individuellen Vielfalt an Biotoptypen und an Tier- und Pflanzenarten, ihrer Funktion als Trittstein-Biotope sowie zur Erhaltung von Genressourcen von großer Bedeutung für Natur und Landschaft. Insgesamt gibt es in Brandenburg bereits zahlreiche endgültig festgesetzte Naturschutzgebiete (NSG) auf Konversionsflächen.

Nach Einstellung der militärischen Nutzung, insbesondere des Beschießens und des Befahrens mit Kettenfahrzeugen fasst höhere Vegetation allmählich wieder Fuß auf den vormals offenen Sandflächen und drängt damit die an Offenland gebundenen Arten zurück. In begrenztem Umfang können Weide- und Mähnutzungen der Heide sowie Naturschutz-Managementmaßnahmen  offene Sand- und Heideflächen als wieder schwindenden Lebensraum und bereichernde Landschaftselemente erhalten. In den unberäumten Bereichen mit hohem Munitionsrisiko bedeutet die Einstellung der militärischen Nutzung den Beginn einer ungestörten Selbstentwicklung von Naturentwicklungs- und Wildnisflächen. Für einen begrenzten Zeitraum bietet sich hier die einmalige Chance, Sukzessionsabläufe so großflächig wie in Mitteleuropa wohl nie wieder zuzulassen.

Letzte Aktualisierung: 12.03.2018

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