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14.03.2018Fachtagung bestätigt Erfolg für den Großtrappenschutz: „Märkischer Strauß“ bleibt Brandenburger

Bad Belzig – Experten aus 13 Ländern tauschen sich seit Montag in Kuhlowitz bei Bad Belzig über Strategien zum Schutz der Großtrappen, der schwersten heimischen Vogelart, aus.  Heute wurden die Fachdiskussionen geöffnet für ein Grußwort von Brandenburgs Umweltstaatssekretärin Carolin Schilde und ein Pressegespräch mit Fototermin in den Belziger Landschaftswiesen – einem der Einstandsgebiete für den „Märkischen Strauß“.

Die Tagung wird von dem in Bonn ansässigen Verbindungsbüro des UN-Übereinkommens zum Schutz wandernder, wildlebender Tierarten (Convention on Migratory Species CMS - Bonner Konvention) in Zusammenarbeit mit dem Brandenburger Umweltministerium und der zum Landesamt für Umwelt gehörenden Staatlichen Vogelschutzwarte mit Sitz in Nennhausen organisiert.

Schilde: „Es ist in Brandenburg gelungen, über die Ländergrenzen hinweg mit Sachsen-Anhalt die Großtrappe vor dem Aussterben zu retten. Dabei arbeiten staatliche Naturschützer und Mitglieder des Fördervereins Großtrappenschutz mit Landwirten zusammen, mit Jägern, um den Druck durch Beutegreifer zu reduzieren, mit Energieunternehmen, um Stromleitungen zu markieren oder unter die Erde zu bringen, mit Landschaftsplanern und mit allen, die dazu beitragen können, für Großtrappen geeignete Lebensräume zu entwickeln beziehungsweise zu bewahren. Die aktuell positive Bestandsentwicklung in den drei verbliebenen Brandenburger Großtrappengebieten in einer durchaus agrarisch genutzten Landschaft zeigen, dass hier Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd hier erfolgreich an einem Strang ziehen. Das erreichte Niveau der Schutzbemühungen zu halten, wird die Aufgabe der kommenden Jahre sein.“

Der „Märkische Strauß“ ist weit über Fachkreise hinaus zu einem Botschafter für Brandenburgs Naturlandschaften geworden. Großtrappen locken inzwischen viele Besucher ins Land, nicht nur aus ganz Europa, sondern sogar aus Übersee. Höhepunkt ist die alljährliche Trappenbalz im Frühjahr.

Anspruchsvoller Schützling

Der ursprüngliche Lebensraum der Großtrappen waren weiträumige Steppenlandschaften. Mit den Rodungen im Mittelalter entstanden Acker-, Wiesen- und Weidelandschaften. Dies sind für Trappen attraktive Lebensräume, die sie schnell besiedeln. Im 18. und 19. Jahrhundert gehörten die großen Vögel zu den typischen, weit verbreiteten Arten der mitteleuropäischen Agrarlandschaften. Trappen benötigen weite, übersichtliche und störungsarme Gebiete ohne Bebauung. In der Brut- und Aufzuchtzeit gehören sie zu den anspruchsvollsten Vögeln. Ihre Brut- und Aufzuchtzeit zieht sich über viele Wochen hin, in denen die am Boden brütende Art besonders empfindlich ist. Zudem ist der Nahrungsbedarf der Küken in den ersten Wochen enorm: etwa tausend große Insekten pro Tag werden benötigt. Dies erfordert eine artenreiche Pflanzenwelt, in der viele Insekten, Spinnen, Würmer und andere wirbellose Tierarten leben. Intensivere Landnutzung, Verkehr, Bebauung, Energieanlagen, aber auch Raubtiere wie der Fuchs machen der Art zu schaffen.

Brandenburg wichtigstes deutsches Verbreitungsgebiet

Brandenburg war eine Hochburg der Großtrappen in Deutschland. Das ist auch der Grund für den Spitznamen „Märkischer Strauß“. Während die Oberschicht die Vögel früher aus jagdlicher und kulinarischer Sicht schätzte, klagten Bauern, dass sich Großtrappen an ihren Gemüsekulturen gütlich taten. Mit Genehmigung Friedrich II. gingen die Märker deshalb ab 1753 daran, die Großtrappen zu vertreiben. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts mussten Schulkinder Trappeneier auf den Feldern sammeln. 1939 lebten in den Grenzen der Mark Brandenburg noch etwa 3.400 Trappen. Das war mehr als die Hälfte der damals in Deutschland heimischen Tiere. In den folgenden Jahrzehnten sanken dann die Bestände rapide.

Landwirte als Partner im Großtrappenschutz

Ein erstes Schutzprogramm startete schon zu DDR-Zeiten, in den Siebzigerjahren, als es noch weit über tausend Großtrappen gab. Es musste sich jedoch auf ausgewählte Gebiete konzentrieren. Dies waren das Havelländische Luch, die Belziger Landschaftswiesen und grenzübergreifend mit Sachsen-Anhalt das Fiener Bruch. Vor zwei Jahrzehnten schien das Schicksal der Art in Deutschland mit nur noch 57 Vögeln besiegelt. Nur noch fünf Vögel gab es in Sachsen-Anhalt.

In den Neunzigerjahren machten die aufwendigen Schutzbemühungen die schwerste flugfähige Vogelart des Landes weithin bekannt. Der Schutz umfasst ein breites Spektrum an Maßnahmen von Lebensraumverbesserungen zur Minimierung von Störungen, zum Beispiel durch Besucherlenkung, oder die Bestandsstützung durch Auswilderung von Jungvögeln, die von Menschenhand aufgezogen wurden. Die extensive Bewirtschaftung der Landwirtschaftsflächen ist dauerhaft erforderlich und kommt auch vielen anderen Tier- und Pflanzenarten zugute. Auf diesen Flächen wurden bereits zahlreiche Rote-Liste-Arten nachgewiesen, darunter auch solche, die in Brandenburg bereits als ausgestorben galten. „Die Landwirte in den drei Großtrappenschutzgebieten bleiben damit die wichtigsten Verbündeten für die Vogelschutzwarte und den Förderverein Großtrappenschutz“, so das Fazit. „Ein Wermutstropfen bleibt die Tatsache, dass außerhalb der gezäunten Areale nur zwei Jungvögel flügge geworden sind“, heißt es in der Bilanz für 2015 der Vogelschutzwarte. Daher sehen die staatlichen Naturschützer fuchssichere Einzäunungen von 15 bis 30 Hektar Umfang als derzeit beste Strategie an, um mit dem hohen Druck auf die Bruten durch Beutegreifer umzugehen. Mit dem Gespür für Sicherheit suchen viele freilebende Hennen diese eingezäunten Flächen gezielt zur Brut auf. Sobald die Jungvögel fliegen können, nutzen viele der Vogel-Familien die umliegenden Flächen.

Insgesamt gibt es wieder 259 Großtrappen in Deutschland. Seit dem Inkrafttreten des Memorandums of Understanding für die Großtrappe im Jahr 2001 ist die Tagung in Bad Belzig die vierte Mitgliedsstaatenkonferenz und die erste, die in Deutschland stattfindet.

www.lfu.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.322391.de

www.lugv.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310.de/trappe.pdf

www.grosstrappe.org

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