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Der Eichenprozessionsspinner (EPS)

Maßnahmen zum Pflanzen- oder Gesundheitsschutz

Neues Fenster: Bild - Raupen des Eichenprozessionsspinners - vergrößern © LFE; Dr. Katrin Möller

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea L.) kommt an Eichen in lichten Wäldern, an Waldrändern, in Alleen aber auch an Einzelbäumen und Baumgruppen im städtischen Grün vor. In den letzten Jahren hat sich der Schmetterling im Land Brandenburg stark ausgebreitet, auch die Befallsintensität hat erheblich zugenommen. Besondere Bedeutung besitzt der Eichenprozessionsspinner vor allem wegen der von den giftigen Raupenhaaren verursachten gesundheitlichen Beeinträchtigung von Mensch und Tier. Darüber hinaus hat er sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Schadinsekt der einheimischen Eichen entwickelt.

Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ist mit chemisch oder biologisch wirksamen Mitteln oder auf mechanischen Weg möglich. Je nach Hauptzielrichtung der Bekämpfung ist dabei in Pflanzenschutzmaßnahmen oder Maßnahmen zum Gesundheitsschutz zu unterscheiden.

Grundsätzlich wird in Siedlungsbereichen und in der Nähe von Verkehrswegen der Schutz der menschlichen Gesundheit im Vordergrund stehen, während Maßnahmen im Wald überwiegend aus Pflanzenschutzgründen stattfinden.

Nest Eichenprozessionsspinner verzerrt © MIL; Fink Antworten auf häufig gestellte Fragen

Der Eichenprozessionsspinner (EPS) ist ein wärmeliebender Schmetterling. Begünstigt wird seine Vermehrung durch eine warme und trockene Frühjahrswitterung. Die natürlichen Gegenspieler wie Raupen- und Puppenparasiten haben sich dagegen bisher nicht ausreichend etablieren können. Vor allem Parasiten der Eier, winzige Erz- und Zwergwespen, fehlen bisher. Im Folgenden finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zum EPS, zu seiner Bekämpfung und zum Gesundheitsschutz.

Wo kann ich mich über die aktuelle Verbreitung und eine geplante Bekämpfung informieren?

Beim Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde bekommt man Auskunft über befallene Waldflächen. Das Landesamt für Ernährung, Landwirtschaft und Flurneuordnung sammelt Meldungen über EPS-Vorkommen im öffentlichen Grün. Die Landkreise, Kommunen und der Landesbetrieb Straßenwesen verfügen ebenfalls über Informationen zur aktuellen Verbreitung.

Geplante Maßnahmen zur Bekämpfung des EPS im Wald, in Siedlungsgebieten und an Straßen werden in der regionalen Presse und durch Aushänge öffentlich bekannt gemacht. Im Wald werden ab dem Zeitpunkt der Maßnahme bis 24 Stunden danach die zu behandelnden Gebiete mit dem Schild „Gesperrtes Waldgebiet“ gekennzeichnet.

Hat der EPS natürliche Feinde und wie kann man diese fördern?

Die häufigsten natürlichen Feinde des EPS sind Raupen- und Puppenparasiten (z.B. Raupenfliegen und Schlupfwespen) sowie räuberisch lebende Insekten (z.B. Waldameisen, Laufkäfer oder Raubwanzen). Deshalb sollten Nester der Roten Waldameise erhalten und geschützt werden. Die Vielfalt der räuberischen Insekten und Parasiten kann durch den Anbau vieler heimischer Pflanzenarten auch im eigenen Garten gefördert werden.

Fledermäuse und Vögel gehören ebenfalls zu den natürlichen Feinden des EPS. Allerdings erbeuten sie vorwiegend den Schmetterling, nur sehr wenige Arten verzehren die Raupen. Um sie zu fördern sollten für die Fledermäuse Bäume mit Höhlen erhalten, Fledermauskästen angebracht und bei einer Gebäudesanierung Zugänge zu Nebengelass, Keller und Dachboden offengelassen werden. Darüber hinaus bieten Hecken und Sträucher natürliche Brutmöglichkeiten für Singvögel. 

Wann sollte eine Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners erfolgen?

In Siedlungsbereichen sind Bekämpfungsmaßnahmen immer dann notwendig, wenn die menschliche Gesundheit in Gefahr ist. Das gilt vor allem in der Nähe von Kindereinrichtungen, Schulen, Krankenhäusern, Sportplätzen und überall dort, wo viele Menschen unterwegs sind.

Im Wald kommt es bei Massenvermehrungen zu massiven Fraßschäden. Wenn diese zu Vitalitätsbeeinträchtigung der Eichen führen, sind zum Erhalt der Bäume Bekämpfungsmaßnahmen angezeigt.

Die Eichen, im Wald ebenso wie in Siedlungsbereichen oder an Straßen, können sich nach mehrmaligen Fraßereignissen nicht mehr erholen und werden anfälliger für andere Schadfaktoren. wie rindenbrütende Insekten und Pilzbefall. Ohne Pflanzenschutzmaßnahmen muss deshalb mit dem Absterben der Bäume und auch ganzer Eichenbestände, gerechnet werden.

Warum wird bei der Bekämpfung des EPS zwischen Pflanzenschutzmitteln und Bioziden unterschieden?

Steht der Schutz von Bäumen im Vordergrund sind dafür Pflanzenschutzmittel einzusetzen und die Bestimmungen des Pflanzenschutzgesetzes müssen eingehalten werden.

Biozide werden zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen bei Mensch und Tier eingesetzt. Ihre Verwendung unterliegt dem Biozid- bzw. Chemikalienrecht. In Deutschland dürfen nur Pflanzenschutzmittel die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und Biozide, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zugelassen sind, eingesetzt werden.

Am häufigsten werden in beiden Bereichen Mittel mit dem Wirkstoff Bacillus thuringensis verwendet. Dieser Wirkstoff kommt seit vielen Jahren im biologischen Landbau, im Haus- und Kleigartenbereich sowie in der Forstwirtschaft zum Einsatz und bei sachgemäßer Anwendung bestehen für Menschen keine gesundheitlichen Risiken. Auch Vögel oder Säugetiere werden dadurch nicht geschädigt. Zum Zeitpunkt der Ausbringung werden nur Schmetterlingsraupen getroffen, die in einem Zeitraum von circa fünf Tagen nach der Applikation an den Blättern der besprühten Bäume fressen. Natürliche Gegenspieler und auch deren potentielle Nebenwirte werden geschont.

Welche Methoden gibt es zur Ausbringung der Insektizide?

Insektizide können mit Luftfahrzeugen und Bodengeräten ausgebracht werden. Bei den verwendeten Insektiziden handelt es sich in der Regel um Fraßgifte die mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Da sich die Raupen zum Fressen in den Oberkronen der Bäume aufhalten, ist eine Ausbringung über größeren Flächen oder Baumgruppen nur mit Luftfahrzeugen effektiv und gezielt möglich. Wo auf Grund der Größe oder Lage der Fläche keine Ausbringung aus der Luft möglich oder erforderlich ist, kann auch vom Boden aus bekämpft werden.

Gibt es auch Möglichkeiten den EPS ohne Einsatz von Insektiziden zu beseitigen?

Ja. Das Entfernen von Raupen und Nestern ist auch durch mechanische Verfahren möglich.

Das Absaugverfahren, das vor dem Schlupf der neuen Faltergeneration erfolgen sollte, ist am besten geeignet. Nach der Behandlung bleiben keine oder nur sehr wenige Brennhaare zurück. Als effektive Bekämpfungsmaßnahme ist das Absaugen allerdings nur bedingt geeignet. Es dient vielmehr der Verringerung der Gesundheitsgefährdung durch die Brennhaare. Diese Methode sollte aber ausschließlich von spezialisierten Fachfirmen mit entsprechender Technik und Arbeitsschutzausrüstung angewendet werden. Auf keinen Fall darf mit einem Haushaltsstaubsauger abgesaugt werden.

Das Abspülen mit klarem Wasser eignet sich zum Reinigen von Flächen an und unter Bäumen nach der Raupenbekämpfung zur Beseitigung der Allergene aus dem unmittelbaren Kontaktbereich. Es sollte jedoch beachtet werden, dass das Arbeiten mit hohem Druck die gesundheitsgefährdenden Brennhaare in der Landschaft verteilt und sie nicht beseitigt.

Das Abstoßen der Nester vom Baum und das Abflammen sind absolut ungeeignet und gefährden die Gesundheit. Bei diesen Verfahren werden die Brennhaare in großer Menge in der Luft verteilt. Herabfallende Gespinste kontaminieren den Boden und die gesamte Umgebung. Durch das Abflammen können außerdem die Baumrinde geschädigt und Umgebungsbrände verursacht werden.

Eine erfolgreiche und effektive Bekämpfung des EPS ist bei starkem Befall nur durch biologische oder chemische Insektizide möglich.

Wer ist zuständig für die Bekämpfung des EPS?

Zuständig für die Bekämpfung sind die Eigentümer der Flächen. Der Grundstückseigentümer hat dafür Sorge zu tragen, dass von seinem Grundstück keine Gefahr für Dritte ausgeht. Sofern die Ordnungsbehörde den Befall als eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit einstuft, kann sie die Beseitigung der Nester und Raupen anordnen.

Wer Raupen und Nester des EPS im öffentlichen Bereich findet,

kann die Ordnungsämter oder Grünflächenämter der Städte und Gemeinden verständigen. Die Entscheidung für oder gegen eine Bekämpfung trifft für öffentliche Grünanlagen die örtlich zuständige Kommunalverwaltung und für den Wald die Landesforstverwaltung.

Wie verfahre ich mit befallenen Bäumen auf meinem Privatgrundstück?

Auf dem Privatgrundstück kann man befallene Bäume behandeln lassen. Die Bekämpfung sollte aber nur von einer autorisierten Fachfirma durchgeführt werden. Die entstehenden Kosten sind abhängig von der Behandlungsmethode, den örtlichen Gegebenheiten sowie der Größe bzw. Anzahl der Bäume. Sie betragen bei der mechanischen Bekämpfung zwischen 250 und 500 Euro und bei der Behandlung mit Insektiziden etwa 30 bis 50 Euro.

Bei der Laubentsorgung befallener Bäume sollte unbedingt Schutzkleidung getragen werden. Auf keinen Fall sind Laubgebläse einzusetzen. Das Laub von befallenen Eichenbäumen sollte professionell entsorgt und nicht auf dem eigenen Grundstück kompostiert werden. Ansprechpartner ist der örtlich zuständige Abfallentsorger.

Hinweise zum Gesundheitsschutz

Ab ihrer zweiten Häutung, beginnend etwa Mitte Mai, bilden die Raupen des EPS giftige Haare mit Widerhaken. Bis zu ihrer Verpuppung nimmt die Anzahl und Länge dieser „Brennhaare“ stetig zu. Darin enthalten ist das Nesselgift Thaumetopoein. Der direkte Kontakt mit den Härchen kann beim Menschen gesundheitliche Beschwerden verursachen. Die Brennhaare behalten ihre gesundheitsgefährdende Wirkung über mehrere Jahre. Befallene Bäume sollten gemieden werden

Wer sich in der Nähe befallener Bäume aufhalten muss, sollte Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen getragen werden. Die Hosenbeine sollten möglichst über den Schuhen verschließbar sein, damit keine Brennhaare eindringen können. Empfindliche Körperteile wie Hals und Nacken sollten geschützt sein. Trockenes Laub oder trockene Erde sollten so wenig wie möglich aufgewirbelt werden, um die Gefahr des Einatmens von mit Brennhaaren belasteter Luft sowie den Kontakt mit den im Laub befindlichen Brennhaaren zu verringern.

Wer mit den Brennhaaren in Kontakt gekommen ist sollte möglichst sofort duschen und Haare waschen. Die belastete Kleidung keinesfalls in der Wohnung ausschütteln, sondern so heiß wie möglich, am besten bei 60 Grad Celsius, waschen. Bei auftretenden Hautirritationen können Juckreiz hemmende Salben verwendet werden.

Wenn Symptome wie schmerzhafter Hautausschlag mit heftigem Juckreiz, Hautschwellungen, Augenreizungen bzw. -entzündungen, Atembeschwerden oder allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber und Schwindel auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Im Extremfall kann es zu pseudoallergische Schockreaktionen kommen.

Auch Säugetiere können empfindlich auf die Brennhaare reagieren. Es können ähnliche Symptome wie beim Menschen auftreten, allerdings kommt es bei Haus- und Wildtieren selten zu Erkrankungen. Bei weiteren Fragen zum Gesundheitsschutz geben die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte Auskunft.


Anlagen

EPS- Foto Flyer © LFE; Dr. Katrin Möller

Kontakt

Referat 35 - Wald und Forstwirtschaft, Oberste Jagdbehörde
Martina Heinitz
E-Mail an Martina Heinitz

Tel.: 0331-866-7645
Fax: 0331-866-7603


Referat 36 - Acker- und Pflanzenbau, Pflanzenschutz, Gartenbau, Düngemittelrecht
Dr. Cornelia Müller
E-Mail an Cornelia Müller
Tel.: 0331-866-7696
Fax: 0331-866-7603