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Eremit

Der Eremit (Osmoderma eremita) erhielt seinen Namen, weil er verborgen in Baumhöhlen lebt. Er ist extrem flugträge und überwindet in seinem Leben Distanzen von maximal ein bis zwei Kilometern. Das führt zu seinem geringen Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsvermögen. Sein zweiter Name Juchtenkäfer ist gleichfalls eine Beschreibung einer typischen charakteristischen Eigenschaft. Ausgewachsene Tiere verströmen einen deutlichen Geruch von Juchtenleder.

Der Eremit besitzt eine Länge von 23 bis 39 Millimetern und gehört somit zu den großen Käfern - genauer zur Familie der Blatthornkäfer. Er ist mit dem Maikäfer eng verwandt. Seine Erkennungsmerkmale sind eine dunkle Färbung mit einem schwach metallischen Schimmer, ein kompakter Körper, kurze Fühler, große und halbkugelige Augen (aufgrund seines Habitats in dunklen Baumhöhlen), eine markante Schulterbeule auf den Flügeldecken und der unverkennbare Ledergeruch.

Die Europäische Gemeinschaft hat den Eremiten als prioritäre Art der FFH-Richtlinie eingestuft, wonach sie eine "besondere Verantwortung" für seine Erhaltung übernimmt. Der Eremit wird in der "Roten Liste Deutschland" in der Gefährdungsklasse 2 (stark gefährdet) geführt. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet umfasste fast ganz Europa mit Ausnahme des nördlichen Skandinaviens und der Britischen Inseln. Typische Lebensräume sind lichte Laubwälder in Flusstälern, alte Eichen- und Buchenwälder, aber auch Mittelwälder, Hutewälder, Parks, Alleen, Friedhöfe und Streuobstwiesen. Derzeit wir im Biosphärenreservat Spreewald ein Schutzprogramm zur Erhaltung alter Obstbäume und damit der Eremitenlebensräume vorbereitet.

Die Eiablage erfolgt in den Mulm von Laubbäumen, wo sie sich von verpilztem oder faulem Holz und Mulm ernähren. Dabei bevorzugen sie Eichen, gefolgt von Weiden (Kopfweiden), Buchen, Linden, Eschen, Kastanien, Eiben und Obstbäumen. Die Larven leben über drei bis vier Jahre im Laubbaummulm bis sie schließlich eine Länge von 60 Millimetern erreicht haben. Eine Vielzahl von Larven klebt sich zu einem Kokon zusammen und verpuppt sich darin. Meistens schlüpfen die fertig entwickelten Käfer von Ende Juni bis September. Sie bleiben auch dann im Mulm. Die einzige Ausnahme ist die Paarungszeit im Juli, wo sie an heißen Tagen vereinzelt auf Blüten und Gebüschen sitzen, an Pflanzen fressen und bei Sonnenuntergang Schwärmflüge unternehmen.

Der Eremit reagiert sehr empfindlich auf Veränderungen seines Lebensraumes. Meistens ist der Brutbaum der Tiere auch der Ort, an dem die Nachkommen schlüpfen. Es ist charakteristisch, dass eine Mulmhöhe über viele Jahre permanent genutzt wird. Ein Baumwechsel findet selten statt, weil der Eremit zu den flugträgen Käfern gehört. Dieser Umstand führt zu seiner geringen Ausbreitungsgeschwindigkeit und seinen gefährdeten Wiederbesiedlungsmöglichkeiten.

Ein stabiler Bestand an Osmoderma eremita erfordert einen entsprechenden Anteil an Altholz, absterbenden Althölzern und einem feuchten Mulmkörper mit Baumhöhlen. Für seinen Erhalt ist die Ausweisung von Naturwaldreservaten notwendig und das langfristige Stehen lassen von "Biotopbäumen". Bäume, die alt werden dürfen, sind die beste Voraussetzung für den Artenerhalt des Eremits.

Letzte Aktualisierung: 05.07.2013

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