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Elbehochwasser 2002

Im August 2002 ergossen sich Regenmassen über die Mittelgebirge Bayerns, Südostdeutschlands und der Tschechiens. Ruhig dahinfließende Nebenflüsse wurden zu reißenden Strömen. An den Flüssen stiegen die Pegel in wenigen Tagen auf neue Rekordmarken. Menschen, Tiere, ganze Ortsteile und Brücken wurden mitgerissen. Die Bilder vom überfluteten Dresdner Zwinger gingen um die Welt. Eine Welle der Zerstörung näherte sich über die Elbe Brandenburg...

... hier bereitete ab Anfang August das damalige Landesumwelt die Verteidigung der brandenburgischen Elbdeiche vor. Unter der Federführung der Krisenstäbe des Landes und beim Landkreis Elbe-Elster wurden Tausende zivile Helfer und der Bundeswehr zunächst an den Deichabschnitt bei Mühlberg beordert. Brandenburgs damaliger Agrar- und Umweltminister Wolfgang Birthler verlegte ab 17. August seinen Einsatzstab aus Mitarbeitern des damaligen Landesumweltamtes und des Ministeriums nach Perleberg, um hier mit dem damaligen Krisenstab von Ministerpräsident Matthias Platzeck, Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) und des Landkreises Prignitz zusammenzuarbeiten. Intensiv wurde daran gearbeitet, die Brandenburger Elbdeiche vor dem Anrollen der Wassermassen zu sichern. Mit Hochdruck wurden im Hinterland Menschen und Tiere evakuiert und ein Teil der Ernte geborgen.

Die Deiche halten: Mühlberg in Brandenburg (Foto: Lutz Hannemann)

Das Land verfügt insgesamt über 1.300 Kilometer Deiche. Im Bereich der Elbe und deren Nebenflüsse sind es 240 Kilometer, davon wiederum 19 Kilometer Deiche bei Mühlberg und über 75,3 Kilometer in der Prignitz. Im nördlichsten Landkreis gibt es rund 54 Kilometer Rückstaudeiche an der Löcknitz, der Stepenitz, der Karthane und dem Gnevsdorfer Vorfluter. In der Prignitz wurden bis zum Hochwasser 2002 bereits 33,7 Kilometer Elbedeiche und 10,7 Rückstaudeiche saniert.

Dass in Brandenburg nach dieser als Jahrhundertflut bezeichneten Naturkatastrophe die Schäden im wesentlichen auf die flussnahen Flächen beschränkt blieben, ist zum einen dem bereits beim Oderhochwasser von 1997 eingeübten Zusammenspiel von Landesumweltamt, Ordnungskräften der Kreise sowie der Polizei, des Technischen Hilfswerks und der Bundeswehr zu verdanken - zum anderen aber Tausenden freiwilligen Helfern aus ganz Deutschland, die die Bilder der Not an die Elbe gerufen hatte. In den kommenden Kapiteln dokumentiert das Agrar- und Umweltministerium auf der Grundlage seiner damals aktuellen Pressemitteilungen die Ereignisse. Diese Zusammenfassung, die damit fachbezogen die Sicht der Land- und Forstwirtschaft sowie des Hochwasserschutzes wiedergeben muss, soll dazu beitragen, die notwendigen Lehren aus den Ereignissen zu ziehen. Sie kann keine Geschichte des Hochwassers sein, denn am Erfolg der Deichverteidigung in Brandenburg haben viele ihren Anteil. Ihnen soll an dieser Stelle nochmals Dank gesagt werden, weil sie direkt vor Ort, im Hinterland oder mit Sach- und Geldspenden dazu beigetragen haben, die Folgen des Hochwassers zu bewältigen.

Tausende Tiere evakuiert

Die Evakuierung landwirtschaftlicher Unternehmen entlang der Elbe wurde zu einer logistischen Meisterleistung. Allein aus 46 Gemeinden in der Prignitz wurden bis Mitte August Tausende Tiere evakuiert. Landwirte, Betriebe, Behörden und Transportunternehmen retteten in fünf Tagen 18.000 Rinder, 1.000 Schweine sowie 3.000 Schafe und Ziegen. Allein in der Lenzer Wische wurden 6.000 Rinder umgesiedelt, 4.000 mit LKW und 2.000 getrieben. Besitzer brachten ihre Pferde und Kleintiere außer Gefahr. Ein Arbeitsstab organisierte die Transporte und vermittelte Betriebe, die Tiere aufnahmen.

Die Zahl der evakuierten Tiere stieg insgesamt auf 31.500 Rinder, 3.000 Schweine und 4.000 Schafe.

Forstleute bauten Faschinen

Seit dem 20. August wurden in allen zehn Ämtern für Forstwirtschaft Faschinen produziert. 700 bis 800 Waldarbeiter, Forstangestellte und freiwillige Helfer waren im Einsatz. Das Lagezentrums meldete einen Bedarf von 35.000 Faschinen. Mit diesen Holzbündeln stabilisierten zwanzig Waldarbeiter gefährdete Deichabschnitte in der Prignitz. Den Transport der Faschinen führten Transportunternehmen, das Technische Hilfswerk und die Bundeswehr durch, koordiniert vom Lagezentrum im Innenministerium.

Das "Wunder von Mühlberg"

Mitarbeiter des Landesumweltamtes Brandenburg und freiwillige Helfer verhinderten bei Mühlberg eine Katastrophe: Sie verteidigten hier unter Lebensgefahr den völlig durchweichten Deich. Im Bereich Mühlberg-Stehla stieg in der Nacht zum 17. August der Elbe-Pegel auf 9,99 Meter. Am folgenden Nachmittag um 16.00 Uhr riss auf 180 Meter die den Häusern des Ortes zugeneigte Deichböschung. Die Mühlberger waren bereits evakuiert, die Rettungskräfte abgezogen. Die Stadt war laut Medien aufgegeben. Fachberater und Helfer sollten abgezogen werden. Die Elbe war kurz davor, Mühlberg zu überfluten.

Aber Soldaten und Feuerwehrleute kehrten in die verlassene Stadt zurück, führten Maßnahmen zur Stabilisierung des Deiches durch. Zusammen mit Helfern von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, DLRG und Polizei stapelten sie Sandsäcke bis zur Erschöpfung. Zwar verschärfte zunächst ein weiterer Riss am Deichfuß die Situation. Die Gefahrenstelle konnte jedoch in einem zehnstündigen Einsatz wieder gesichert werden. Taucher stabilisierten die wasserseitigen Deichböschungen. Entlang der dem Wasser abgeneigten Deichseite wurden 35.000 Kubikmeter Kies als Gegengewicht aufgeschüttet: Die drohende Überflutung von Stehla und weiteren Ortschaften bis zur Stadt Falkenberg war abgewendet. Die Deiche hielten. Weitere Schäden wurden verhindert.

Flutung der Havelpolder

An der Elbe hat Brandenburg die Havelniederung dauerhaft als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen. Seit 16. August wurde die Öffnung der Polder vorbereitet. Die Öffnung des Wehres Neuwerben erfolgte am 20. August um 20 Uhr: 200 Kubikmeter je Sekunde wurden nun in die Havelpolder umgeleitet. Hier erfolgte durch Sprengung die Flutung der Polder. Die erstmalige Flutung seit dem Bestehen der Havelpolder war ein voller Erfolg. Erhebliche Schäden und Belastungen am Unterlauf der Elbe wurden vermieden. Die Flutung der Havelpolder hat sich als absolut richtige Maßnahme zum richtigen Zeitpunkt erwiesen. In dieser Form waren die Polder vorher noch nie benutzt worden, so dass keine Erfahrungen vorlagen. Die Erwartungen wurden mit der Flutung übertroffen. Die maximale Absenkung des Wasserspiegels betrug gegenüber den Prognosen 52 Zentimeter und wirkte sich tagelang aus. Das Agrar- und Umweltministerium geht davon aus, dass nicht nur Gebiete in der Brandenburger Prignitz, sondern auch die flussnahen Regionen in Nord-Sachsen-Anhalt, Niedersachsen (Hitzacker!) und Schleswig-Holstein davon profitiert haben. Nach Stillstand des Wassers erfolgte, gefördert durch hohe Temperaturen und nahezu Windstille, eine Zersetzung der noch frischen Vegetation. Damit verbunden war ein Rückgang der Sauerstoffkonzentration in den überfluteten Poldern, in der Havel und den mit ihr verbundenen Seen (Gülper See). Der Sauerstoffmangel führte auf einer Gewässerfläche von 1.000 Hektar zu einem Fischsterben.

Die mögliche Flutung der Havelpolder ist seit dem 7. Juli 1993 durch Staatsvertrag zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt geregelt. Im Lichte der Erfahrungen aus dem Elbehochwasser 2002 wurde beschlossen, die Möglichkeit der Flutung der Havelniederung für die Zukunft zu optimieren. Offen ist, ob statt der Sprengung der Deiche künftig eine Flutung über Einlassbauwerke die bessere Lösung ist.

Geplant ist, Verbesserungsvorschläge unter hydraulisch-hydrologischen, wasserbaulichen und ökologischen Aspekten zu erarbeiten. Das Gutachten finanzieren Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Zur Entscheidung über die Flutung und die Kostenverteilung soll ein neuer Staatsvertrag, nunmehr auch unter Einbindung von Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, erarbeitet werden.

Durch Stauung leichter Anstieg der Havel zwischen Potsdam und Rathenow

In Abstimmung zwischen dem Landesumweltamt und dem Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg wurden die Staustufen der Havel zur Drosselung des Abflusses in die Elbe genutzt. Zwischen Potsdam und Rathenow wurde daher am 22. August mit erhöhten Wasserständen gerechnet. In Potsdam sollten sich Pegelstände bis 29,50 Meter über Normalnull, 16 Zentimeter über dem sonst gemessenen Mittel im August, einstellen. So erreichten diese Pegel Werte, wie sie etwa alle zwei Jahre im Winter auftreten können. Vernässungen gefährdeten die Uferbereiche des Templiner Sees, des Tiefen Sees, der Bereich der Nuthemündung, die Brandenburger und Berliner Vorstadt sowie die Halbinsel Hermannswerder.

Beräumung der Deiche

Mit dem Rückgang der Hochwasserpegel standen die Menschen vor neuen Problemen. Priorität hatte dabei die Beräumung der Deichverteidigungslinien und der Überflutungsgebiete, so das Agrar- und Umweltministerium in Potsdam am 23. August. Schlamm, Sperrmüll und nicht mehr benötigte Sandsäcke mussten schnell geräumt werden. Viele der geleerten Säcke wurden gereinigt und erneut eingelagert. Sand, der nicht direkt mit dem Hochwasser in Kontakt gekommen war, konnte für Baumaßnahmen verwendet werden. Ansonsten wurde er zu Hausmülldeponien gebracht.

Schäden in der Landwirtschaft

Vor allem durch hohe Wasserstände, Qualmwasser und Deichverteidigung wurden in flussnahen Gebieten Schäden in zweistelliger Millionenhöhe registriert. Schäden ergaben sich in Deichvorländern, flussnahen Gebieten und Poldern. Betroffen waren die Landkreise Elbe-Elster, Havelland, Ostprignitz-Ruppin und Prignitz.

Das brandenburgische Agrar- und Umweltministerium legte am 22. August in Potsdam eine erste Hochwasser-Schadensbilanz für die Landwirtschaft vor. Ertragsausfälle wurden auf 57.000 Hektar verzeichnet, davon 31.100 Grünland, 19.800 Getreide, 1.800 Ölfrüchte, 1.100 Mais sowie Gartenbauflächen.

Baumschulen im Landkreis Elbe-Elster an der Schwarzen Elster und der Pulsnitz hatten Verluste.

Probleme ergaben sich auch, weil bei evakuierten Tieren - insbesondere bei Milchkühen und Sauen - die Leistung sinkt, weil Flächen und Anlagen verloren gehen oder bei aufnehmenden Betrieben in kurzer Zeit die Produktion neu organisiert werden muss. Für die betroffenen Agrarbetriebe wurden Sonderregelungen geschaffen, weil Förderprogramme und Produktion nur eingeschränkt umgesetzt werden konnten. Diese umfassten die Sicherstellung der Milchquoten, die Qualitätskontrollen, Flächen- und Tierprämien, die Stundung von Pachten und Krediten, steuerliche Regelungen.

Auch Grünland stand in großen Teilen unter Wasser. Daher durften Stilllegungsflächen zur Unterbringung von Vieh und zur Futtergewinnung genutzt werden, wenn die Futterflächen des Unternehmens witterungsbedingt zu mindestens 33 Prozent nicht einsetzbar waren.

Hilfspaket geschnürt

Mit dem von Agrarministern des Bundes und der Länder am 22. August verabschiedeten Hilfspaket wurden unbürokratisch Mittel bereitgestellt. Die Landwirte wurden bei der Bewältigung der Folgen der Flutkatastrophe nicht allein gelassen. Neben der Umschichtung von Mitteln im Agrarbereich 2002 stellten Bund und Länder 2003 im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes insgesamt 320 Millionen € zur Verfügung. Mittel wurden zudem aus der Verschiebung der Steuerreform bereitgestellt.

Kein Betrieb sollte infolge der Naturkatastrophe in Konkurs gehen. Die Hilfe konzentrierte sich deshalb auf die Unterstützung von Betrieben aus den vier Landkreisen. Im Rahmen des Bund-Länder-Programms wurden für Brandenburg zunächst 1,6 Millionen € zur Verfügung gestellt. Je die Hälfte der Soforthilfe finanzierte der Bund und das Land.

Die im Ministerium gebildete Arbeitsgruppe "Elbehochwasser" bearbeitete die Anträge aus den vier betroffenen Kreisen Elbe-Elster, Havelland, Ostprignitz-Ruppin, Prignitz.

71 Agrarbetriebe im Havelland hatten Anträge auf Soforthilfe gestellt, 97 in der Prignitz, 80 in Elbe-Elster sowie 24 in Ostprignitz-Ruppin. Mehr als 2,5 Millionen € waren im Rahmen der Bund-Länder-Soforthilfe an 191 vom Hochwasser betroffene Agrarbetriebe in Brandenburg Anfang Oktober ausgezahlt. Die ersten Raten beliefen sich auf 15.000 €, für schwer geschädigte Betriebe auf 30.000 €. Dazu gehörten 25 Agrarbetriebe mit einer Schadenssumme von weit über 100.000 €.

Der Ausgleich von Schäden im Bereich der Landwirtschaft konnte Ende 2002 abgeschlossen werden: 265 Anträge wurden im Rahmen des Soforthilfeprogramms von Bund und Land bearbeitet und 7,323 Millionen € bewilligt.

Land und Bund unterstützten Unternehmen der Binnenfischerei durch Zuschüsse für Ertragsausfälle des Jahres 2002 einschließlich Folgeschäden wie Kosten für den Verlust und die Bergung von Fanggeräten oder Schäden an Wirtschaftsgebäuden, Anlagen, Maschinen sowie Inventar. Zusätzlich wurden die Kosten bei der Entsorgung toter Fische erstattet und der Fischbesatz wiederhergestellt. Die ausgewiesenen Schäden betrugen 560.000 €. Vier Unternehmen erhielten nach Prüfung vom Agrar- und Umweltministerium einen Ausgleich in Höhe von 50 Prozent beziehungsweise maximal 50.000 €.

Der "Böse Ort" wird entschärft

Der "Böse Ort" bei Lenzen erlangte als der kritischste Deichabschnitt der Prignitz bei Hochwasser traurige Berühmtheit. Hier macht die Elbe einen 90 Grad-Bogen. Am "Bösen Ort" hat die Elbe seit Jahrhunderten bei Hochwasser Unheil angerichtet. Mit dem Anstieg der Pegel auf neue Rekordhöhen im August musste dieser Elbeabschnitt erneut mit großem Aufwand und aufopferungsvoll verteidigt werden. Zwar hielt der Deich, nun soll nicht einfach nur repariert werden. Ein neuer Deich wird die Gefahr entschärfen.

Die Vorarbeiten und Vorabsprachen für das Lenzener Rückverlegungsprojekt laufen bereits seit Mitte der 90er Jahre. Landwirte, Naturschützer und die Stadt Lenzen ziehen inzwischen an einem Strang. Das Projektgebiet umfasst 1.568 Hektar. Kernstück ist die Elbdeichrückverlegung, um zusätzliche 400 Hektar Deichvorland zu gewinnen. Auf 300 Hektar soll wieder der gefährdete und nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützte Lebensraumtyp Auwald entstehen. Die Auwaldfläche an der Unteren Mittelelbe wird sich damit verdoppeln. Damit ist dieses Vorhaben das größte Rückdeichungsprojekt in Deutschland. Das neu gewonnene Vorland kann - so belegen hydraulische Untersuchungen - über 15 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Durch die Aufweitung der Aue sinkt der Hochwasserscheitel oberhalb der Rückverlegung. Bei der Finanzierung der Deichrückverlegung ist vorgesehen, dass sich das Agrar- und Umweltministerium in Höhe der Mittel, die für eine Deichsanierung auf der bestehenden Linie notwendig wären, beteiligt (rund 6,23 Millionen €). Die anfallenden Mehrkosten durch die neue Trasse in Höhe von rund 6,14 Millionen € sollen durch den Bund übernommen werden. Gebaut wird durch das Landesumweltamt Brandenburg.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat noch während des Elbhochwassers am 28. August den Förderbescheid für die Verlegung des Deiches nahe der Prignitzstadt übergeben.

Start der Deichsanierung an der Elbe

Am 8. November 2002 erfolgte der erste Spatenstich am Deich bei Stehla nördlich von Mühlberg. Dieser war auf einer Länge von 180 Metern am 18. August gerissen und konnte während des Hochwassers nur unter Einsatz aller Kräfte und mit Glück gehalten werden. In nur 82 Tagen waren Schadensanalyse, Planungsarbeiten und Vergabe der Bauleistungen abgeschlossen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 1,1 Millionen €. Für zusätzliche Sanierungsarbeiten im Raum Mühlberg werden über 2 Millionen € geplant.

Schlussfolgerungen aus dem Hochwasser 2002

Das Hochwasserereignis an der Elbe reiht sich ein in eine Reihe von Extremereignissen an den europäischen Flüssen in der jüngsten Vergangenheit. Diese Ereignisse sind nur in Grenzen beeinflussbar und beherrschbar.

Dennoch: Als erstes steht auch in Brandenburg die Sofortreparatur der Deiche an. Sichere Deiche sind die wichtigste Maßnahme für den Hochwasserschutz. So hat sich im Sommer 2002 gezeigt, dass an den neuen Deichen in der Brandenburger Prignitz praktisch keine Probleme auftraten. Andererseits stellten die Bäume auf den Deichen die Einsatzkräfte vor ein zusätzliches Problem. Waren die Dämme aufgeweicht, drohten umfallende Bäume hier Breschen zu reißen. Vielerorts haben sich in der Vergangenheit örtliche Bürgergruppen für den Erhalt dieser Bäume eingesetzt. Nun wird man vorsorglich etliche dieser Bäume fällen müssen.

Das planmäßige Deichbauprogramm an Elbe und Oder wird fortgesetzt. Brandenburg erwartet die Fertigstellung der Deiche an der Elbe im Jahr 2011 und an der Oder 2006. Der Baufortschritt an der Elbe hängt im Wesentlichen von der bisherigen Zuweisung von Bundesmitteln ab. Alle Deiche sind beziehungsweise werden auf ein Hochwasser mit einer statistischen Wiederkehr von 200 Jahren dimensioniert. Dazu kommt noch ein Freibord von einem Meter, so dass Brandenburg in der Lage ist, bei entsprechender Aufkadung auch ein tausendjähriges Hochwasser zu widerstehen.

Alle nicht erneuerten Elbehauptdeiche - das sind etwa 46 Kilometer - sollen im kommenden Jahrzehnt noch saniert werden. Von den etwa 160 Kilometer Deich, die 1997 beim Oderhochwasser betroffen waren, sind zurzeit 102 Kilometer saniert. Rund 125 Mio. € wurden dafür aufgebracht. Allerdings sieht Brandenburg im Deichbau kein Allheilmittel, weil dadurch die Probleme häufig nur flussabwärts verlagert werden.

Wo immer es die örtlichen Verhältnisse zulassen und der Eigentumserwerb möglich ist, wird Brandenburg Deiche zurückverlegen, um das Hochwasserabflussprofil der Flüsse zu vergrößern, wie im Bereich von Lebus an der Oder oder bei Müggendorf-Cumlosen an der Elbe oder der "Böse Ort" bei Lenzen.

Mehr Raum für die Oder

Sehr konkret sind derzeit auch die Planungen für neue Überflutungsflächen entlang der Oder, wo seit dem Hochwasser von 1997 ein ambitioniertes Hochwasserschutzprogramm angelaufen ist. In der Planung sind weiterhin Flächen im Landkreis Oder-Spree bei Neuzelle und bei Aurith. Nicht zu vergessen sind die Projekte im Nationalpark Unteres Odertal, wo mit der Rücknahme der Bewirtschaftung eine zusätzliche Überflutungsfläche geschaffen wird. Außerdem konzentriert sich Brandenburg an der Oder in den internationalen Gremien, insbesondere in der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder (IKSO) darauf, Retentionsräume am Oberlauf der Oder in Polen, da wo Retentionsräume zur Kappung des Hochwasserschutzes die optimale Wirkung erzeugen, zu schaffen. Das Agrar- und Umweltministerium arbeitet auch bilateral unmittelbar mit der polnischen Verwaltung an einer raumordnerischen Konzeption für eine Hochwasservorsorge, das heißt der Sicherung von potentiellen Retentionsflächen, in Polen.

All diese Vorhaben haben aber nur Aussicht auf Erfolg, wenn die Landnutzer mitziehen. Die havelländischen Bauern haben trotz ihrer Verluste und Sorgen öffentlich erklärt, dass sie die Polderflutung als solidarische Maßnahme verstehen. Dies war und ist keineswegs selbstverständlich. Geht es doch in einigen Betrieben um die Existenz.

Da niemand voraussagen kann, wann eine nächste "Jahrhundertflut" kommen wird, muss gemeinsam mit diesen Landwirten über eine Nutzung der Überflutungsgebiete nachgedacht werden. Eine Bewirtschaftung der Polder, Deiche und Deichvorländer als Grünland liegt hier auf der Hand und ist aus der Sicht des Hochwasserschutzes auch gewollt. So können Schafe dazu beitragen, die Grasdecke auf den Deichen zu verdichten.

Hochwasserschutz endet nicht an Landesgrenzen

Die Überlegungen zu einem vorbeugendem Hochwasserschutz müssen aber noch weiter gefasst werden. Gerade im landwirtschaftlichen Bereich sind in Brandenburg entlang der Zuflüsse zur Elbe die größten Schäden entstanden. Hier zeigt sich, dass das gesamte Einzugsgebiet der Ströme stärker zu betrachten ist. Die Ausbaupläne an Elbe und Havel müssen überdacht werden. Die Prognosemodelle werden unter Einarbeitung der neuen Daten aktualisiert und verbessert.

Da es sich im Hochwasserschutz meist um langfristige Programme handelt, hängt hier besonders viel von einer verlässlichen Finanzierung ab. Gerade die neuen Bundesländer sind darauf angewiesen, dass für diese Projekte Bundes- und EU-Mittel mobilisiert werden können.

Weitere Informationen:

Das Elbehochwasser im Sommer 2002 - Bericht

Letzte Aktualisierung: 20.08.2013