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02.07.2018Gleich drei Schadinsektenarten im Revier: Fraßschäden bedrohen Kiefernwald südlich der Landeshauptstadt

Kemnitz – Gleich drei Insektenarten schädigen gegenwärtig die Kiefernwälder südlich der Landeshauptstadt. Der Kiefernspinner, die Nonne und die Forleule verursachen hier durch ihren Fraß große Schäden. Brandenburgs Forstminister Jörg Vogelsänger hat sich heute vor Ort ein Bild von der Lage gemacht und mit betroffenen Waldbesitzern und Waldschutzexperten des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (LFE) das weitere Vorgehen besprochen.

In einigen Kiefernwäldern der Oberförstereien Potsdam, Jüterbog, Baruth und Dippmannsdorf war in den letzten Wochen ein intensiver Fraß durch Raupen von Kiefernspinner, Nonne und Forleule zu beobachten. Lokal ist der Fraß so stark, dass die Bäume schon völlig kahl sind.

Klimawandel macht sich auch im Wald bemerkbar

Anhand der Überwachungsdaten war zunächst mit der gleichzeitigen Massenvermehrung von drei Schadinsekten nicht zu rechnen.

Die Vorhersage von Massenvermehrungen für die Kiefernschadinsekten stützt sich auf langjährig bewährte Überwachungsverfahren. Trotzdem war dieser Fraß nicht vorhersehbar.

Eine außergewöhnliche und schwierig zu prognostizierende Populationsentwicklung hat zu dieser Situation geführt. Insbesondere die Nonne und der Kieferspinner profitieren seit Anfang der Neunzigerjahre von den klimatischen Veränderungen.

Bei der Nonne kam es früher etwa alle zehn Jahre zu einer Massenvermehrung. Die letzte war in den Jahren von 2012 bis 2014 zu verzeichnen. Seit Herbst letzten Jahres ist jedoch erkennbar, dass dieser zehnjährige Zyklus durchbrochen wird und sich die Gefährdungssituation bereits jetzt zuspitzen wird.

Die Raupen des Kiefernspinners überwintern normalerweise im Boden. Bei der Winterbodensuche wird anhand der gefundenen Raupen die Gefährdung für den Waldbestand ermittelt. Im Dezember/Januar zum Zeitpunkt der Winterbodensuche wurden jedoch nur sehr wenig Raupen gefunden. Das könnte darauf hindeuten, dass die Raupen wegen des milden Winters in den Baumkronen überwintert haben. Auch hier war eine so schnelle Entwicklung einer erneuten Massenvermehrung, die letzte war 2014, nicht zu erwarten.

Zukünftig werden Waldeigentümer damit rechnen müssen, dass Schadereignisse häufiger auftreten werden.

Entwicklung der Schadinsekten wird intensiv überwacht

In den Fraßgebieten wird die Entwicklung der Schadinsekten durch die Fachleute weiter beobachtet. Dabei helfen auch Satellitendaten, um die Größe des Schadgebiets und Intensität des Fraßes zu ermitteln. Kleinflächig wird auch eine Drohne zum Einsatz kommen.

Das weitere Schadgeschehen wird vor allem von der Vitalität der Raupen und den natürlichen Gegenspielern wie Zwergwespen abhängig sein.

Faktoren deuten bereits jetzt auf einen Zusammenbruch der Massenvermehrung hin. Bei der Forleule zeichnet sich eine Infektion mit Pilzen ab. Die Raupen der Nonne sind in den Fraßgebieten wegen der fehlenden Nadelmasse vielfach unterernährt und werden ihre Entwicklung nicht beenden können. Beim Kiefernspinner wird sich ab dem Spätsommer zeigen, wie die Massenvermehrung weiter verläuft. Dabei ist das Potenzial an natürlichen Gegenspielern entscheidend.

Forstpraxis, Forstwissenschaftler und Waldbesitzer müssen Hand in Hand arbeiten

Während Förster und Waldarbeiter vor Ort die Überwachung durchführen, ist das Landeskompetenzzentrum Forst Eberwalde für die fachliche Begleitung von Monitoring und Prognose zuständig. Das aufwendige, zeitintensive, flächendeckende Waldschutzmonitoring bleibt Aufgabe der Forstverwaltung.

Aber auch die Waldeigentümer sind hier gefragt. Nur durch Waldumbaumaßnahmen, die das Land mit Fördermitteln unterstützt, und Waldpflege wird der Wald für die Zukunft fit gemacht.

Gefährdungen müssen rechtzeitig erkannt werden, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel ist nur die letzte Möglichkeit, um einen Waldverlust zu verhindern.

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