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18.03.2019Wärmeliebende Nadelfresser und Borkenkäfer: 2019 eine Herausforderung für Förster und Waldbesitzer

Potsdam – Im vergangenen Jahr  standen in Brandenburg vorwiegend Waldbrandprobleme als Folge der extremen Witterung im Fokus. Daneben war aber auch schon erkennbar, dass ein erhöhter Insektenbefall droht. Sowohl nadelfressende Schmetterlingsraupen als auch holz- und rindenbrütende Käfer haben bereits zu umfangreichen Schäden in den Wäldern Brandenburgs geführt. Es handelt sich dabei vorwiegend um Arten, die von überdurchschnittlich warmen und trockenen Sommern profitieren.

Eigentlich sind nach langjährigen Erfahrungen großflächige Fraß-Schäden durch Kieferngroßschädlinge wie Nonne und Kiefernspinner etwa alle 10 Jahre zu erwarten. Diese Arten gehören zu den Insekten, die regelmäßige Massenvermehrungen durchlaufen können. Die vielen Kiefernreinbestände im Land begünstigen diese regelmäßigen Zyklen.

2018 war ein ungewöhnliches Jahr, denn schon vier bis sechs Jahre nach den letzten umfangreichen Fraß-Schäden kam es erneut zu großflächigem Nadelfraß, bis hin zu Kahlfraß. Verursacher waren überwiegend Raupen der Nonne, des Kiefernspinners und der Forleule, betroffen war überwiegend der Fläming. Für die Nonne ist bekannt, dass sie von warmen, trockenen Spätsommern profitiert. Auch den Kiefernspinner begünstigt diese Witterung, wie auch ein überdurchschnittlich warmer Herbst und milde, sonnige Winter.

Nutznießer von Witterung und vorgeschädigten Bäumen

Nicht nur Buchdrucker in Fichtenbeständen und Lärchenborkenkäfer in Lärchenbeständen haben 2018 zu Schadholzmengen geführt, wie sie in Brandenburg lange nicht mehr registriert wurden. Auch der Blaue Kiefernprachtkäfer, der Waldgärtner, der Zwölfzähnige Kiefernborkenkäfer und der Rüsselkäfer machen intensive Kontrollen und letztlich sogenannte Sanitärhiebe notwendig. Alle diese Arten haben sowohl von der Witterung 2018 profitiert als auch vom ungewöhnlich guten Brutraumangebot. Die Stürme im Herbst 2017 und die Nadelverluste durch Fraß oder Waldbrände haben reichlich vorgeschädigte Bäume hinterlassen, die sich gegen die Folgeschädlinge nicht mehr gut wehren können und letztlich zum Absterben gebracht werden.

Maßnahmen des Risikomanagements laufen auf Hochtouren

Um eine Prognose der Schäden durch die Kiefernnadelfresser erstellen zu können, erfolgen in den Forstrevieren bereits seit dem Sommer verschiedene Überwachungsschritte. So wurden unter anderem per Satellit die Flächen mit Fraß-Schäden erfasst. Gleichzeitig wurde der Falterflug von Nonne und Kiefernspinner als Anzeichen für eine kritische Vermehrung bewertet. Im Herbst konnten in den ermittelten Befalls-Gebieten die Eier der Nonne unter der Rinde gesucht und daraus eine Fraß-Prognose abgeleitet werden. Bei den Winterbodensuchen nach den Puppen und Larven der Schadinsekten (etwa 2.800 Suchflächen im Land) wurde ermittelt, ob und wo Schäden durch Kiefernspinner und Forleule zu erwarten sind.

Gegenwärtig wird die Überwachung des „Aufbaumens“ der Kiefernspinnerraupen aus dem Boden in die Kiefernkronen abgeschlossen. So lässt sich die konkrete Gefahr eines möglichen Kahlfraßes für die Bestände erkennen. Gleichzeitig müssen in Revieren mit hoher Dichte an Forleulen deren Flugverhalten überwacht und im April die Ei-Zahlen mit Probefällungen befallener Bäume ermittelt werden.

Alle Daten werden zentral in IT-Plattformen gesammelt und als Grundlage herangezogen für einen später notwendigen Einsatz von Insektiziden, um das völlige Absterben von Kiefernbeständen zu verhindern. Bei der Entscheidungsfindung über solche Waldschutzmaßnahmen muss insbesondere auch das ungewöhnlich hohe Potenzial an Folgeschädigern berücksichtigt werden.

Für die fachliche Beratung der Oberförstereien zur Biologie der Insekten, zu geeigneten Monitoring-Verfahren und zur Prognose der Schäden sind die Waldschutzexperten des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde verantwortlich. Diese sehen im aktuellen Geschehen bereits die deutlichen Folgen der Klimaveränderungen.

Weitere Informationen unter: www.forst.brandenburg.de

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Dr. Jens-Uwe Schade
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