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05.04.2019Vogelsänger stellt Jahresbericht der Naturwacht vor

Potsdam – Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger hat heute in Potsdam den Jahresbericht der Naturwacht Brandenburg für 2018 vorgestellt. Schwerpunkte waren die Folgen der extremen Trockenheit für die Tier- und Pflanzenwelt sowie der weitere Ausbau der Bildungsarbeit der Ranger in den 15 Brandenburger Großschutzgebieten.

„Das vergangene Jahr hat uns deutlich vor Augen geführt, welche Schäden der Klimawandel und die damit einhergehenden Wetterextreme anrichten können“, betont Vogelsänger. Viele Pflanzen seien verdorrt und konnten unter diesen extremen Bedingungen ihre Samenbildung nicht abschließen. Auch die verheerenden Waldbrände hielten die Menschen über Wochen hinweg in Atem.

Welche Folgen das Austrocknen zahlreicher Gewässer, zum Beispiel für die Amphibienwelt, hat und inwiefern sich Bestände wasserliebender Pflanzen wieder erholen, kann erst in den folgenden Jahren genauer gesagt werden. Wichtige Grundlagen für die Bewertung der Trockenheit liefert die Naturwacht mit ihren Untersuchungen zur Entwicklung der Bestände von Tier- und Pflanzenarten.

„Dank ihrer sehr guten Gebietskenntnisse und einer regelmäßigen Datenerfassung, stellen Ranger auch kleinere Veränderungen bei Arten und Lebensräumen frühzeitig fest. So wissen wir, in welchen Bereichen Schutzmaßnahmen wirken und wo wir nachsteuern müssen“, so Vogelsänger.

Südliche Arten treffen in Brandenburg ein

Einige Arten profitierten auch vom trockenheißen Sommer. So registrierten Ranger in mehreren Schutzgebieten das verstärkte Auftreten der wandernden Falterarten Goldene Acht und Taubenschwänzchen. Das an einen Kolibri erinnernde Taubenschwänzchen ist eine südliche Falterart, die nur in trockenen warmen Jahren einwandert. Dann aber invasionsartig wie 2018. Mit fortschreitender Klimaerwärmung etablieren sich zunehmend auch südlichere Arten wie der Bienenfresser in Brandenburg. Im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin stellte die Naturwacht in zwei Gebieten Brutvorkommen der auffallend farbenfrohen Vögel mit insgesamt sieben Paaren fest.

Eine Vogelgruppe, die deutschlandweit und auch in Brandenburg stark rückläufig ist, sind die Wiesenlimikolen. Häufigste Art dieser Gruppe ist bislang noch der Kiebitz. Im Biosphärenreservat Spreewald hat sich der Kiebitz mit fast 100 Brutpaaren relativ gut gehalten. Eine sorgfältige Kontrolle des Bruterfolgs durch die Naturwacht im Jahr 2018 lieferte jedoch ein erschreckendes Ergebnis: Insgesamt wurden nur vier Jungvögel flügge. Das bedeutet, dass sich der Bestand nicht mehr aus sich selbst heraus reproduzieren kann, sondern von Zuzug aus anderen Gebieten lebt.

Die Gründe für die schlechte Reproduktion will die Naturwacht noch genauer untersuchen. Es liegt jedoch nahe, beim Schutz von Bodenbrütern wie dem Kiebitz Fressfeinde wie Waschbär, Fuchs und Mink stärker in den Blick zu nehmen. Darauf deuteten auch erfolgreiche Schutzmaßnahmen aus anderen Gebieten hin. Eine Konzentration auf das Prädatorenmanagement allein reicht jedoch nicht aus. Es muss vielmehr mit dem Erhalt und der Wiederherstellung von geeigneten Lebens- und Bruträumen für Wiesenlimikolen einhergehen.

Landesweit 93 Ranger in 15 Großschutzgebieten unterwegs

Das Arbeitsgebiet der Naturwacht sind die 15 Brandenburger Naturlandschaften: ein Nationalpark, drei Biosphärenreservate und elf Naturparke. Die 93 Ranger agieren auf einem Drittel der Landesfläche – etwa 9.000 Quadratkilometern – seit 28 Jahren als Mittler zwischen Mensch und Natur.

„Die Ranger sind heute akzeptierte Ansprechpartner in den Brandenburger Naturlandschaften“, unterstreicht der Minister. Dank ihrer Präsenz ist auch die Zahl der gesetzlichen Verstöße in den Großschutzgebieten seit Jahren auf einem etwa gleichbleibend niedrigen Niveau. 2018 wurden insgesamt 869 gesetzliche Verstöße registriert (782 in 2017). Schwerpunkte bildeten illegale Müllablagerungen (147), die Missachtung des Wegegebots (168) sowie unerlaubtes Campen (61) oder Feuerstellen (82).

Ihre Gebietskenntnisse kommen den Naturwächtern auch bei Führungen zugute. 2018 begleiteten die Ranger 10.670 Gäste bei 600 geführten Touren (476 im Jahr 2017) und stärkten damit den Naturtourismus.

Kinder- und Jugendarbeit

Im Rahmen ihrer Arbeit mit Kinder- und Jugendgruppen, den Junior-Rangern, weckt die Naturwacht Interesse für Natur- und Umweltschutz. Auch am Ganztagsschulangebot beteiligen sich Naturwächter. Insgesamt 54 Kinder- und Jugendgruppen mit fast 500 Teilnehmern betreute die Naturwacht 2018 regelmäßig. Zudem organisierten die Ranger im Berichtszeitraum 265 Projekttage mit mehr als 7.500 Schülern. Die Umweltbildung der Naturwacht orientiert sich an dem UNESCO-Programm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und wurde 2018 spürbar ausgebaut. Es wurden 15 zusätzliche Kooperationsvereinbarungen mit Schulen abgeschlossen. Insgesamt hat die Naturwacht damit nun mit 28 Schulen im Land eine Partnerschaft.

287 Freiwillige unterstützten die Naturwacht im vergangenen Jahr. Sie halfen insbesondere beim Arten- und Biotopschutz, den naturkundlichen Erfassungen und bei der Umweltbildung.

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Dr. Jens-Uwe Schade
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