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Ergänzende Hinweise zur Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoffen in Brandenburg und Berlin

Ergänzend zu Merkblatt (Stand 13. September 2016) und Pressemitteilung (30. September 2016) der Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin mbH weisen das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg sowie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin aus aktuellem Anlass auf folgende Aspekte im Zusammenhang mit der Entsorgung von HBCD-haltigen Polystyrolabfällen aus dem Baubereich hin:

Abfallgemische

Es besteht grundsätzlich die Pflicht des Abfallerzeugers, gefährliche Abfälle getrennt von nicht gefährlichen Abfällen zu halten, soweit diese getrennt anfallen. Es besteht also eine Pflicht zur Getrennthaltung separat anfallender gefährlicher Abfälle und damit ein Vermischungsverbot gefährlicher Abfälle mit nicht gefährlichen Abfällen außerhalb hierfür zugelassener Anlagen (§ 9 Kreislaufwirtschaftsgesetz). Das gilt auch für HBCD-haltige Polystyrolabfälle aus dem Baubereich.

Sortenrein anfallende HBCD-haltige Polystyrolabfälle müssen separat gehalten werden. Bei Verbundmaterialien (z. B. bei verklebten, schichtenweise aufgebauten Dachkonstruktionen) ist jedoch eine Trennung der Polystyrolfraktion von den anderen Fraktionen nicht erforderlich.

Bei der Einstufung dieser Gemische muss abgewogen werden, ob es sich um einen gefährlichen oder nicht gefährlichen Abfall handelt. Sofern der Anteil an HBCD-haltigem Polystyrol weniger als 10 Kilogramm pro Tonne Baumischabfall beträgt und keine weiteren gefährlichen Fraktionen im Baumischabfall enthalten sind, kann von einem nicht gefährlichen Abfall  ausgegangen werden.

Eine Einstufung kann im Einzelfall durch die zuständige Abfallbehörde bestätigt werden.

Ansonsten muss ohne weitere Analyse davon ausgegangen werden, dass es sich um gefährliche Abfälle handelt.

Relevante Schadstoffe

Bei Polystyrol, das in Gebäuden verbaut wurde, ist zum einen das Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) ein relevanter Schadstoff. Das Polystyrol wurde z. B. zur Wärmedämmung in Plattenform, aber auch als Formteil z. B. unter Bade- oder Duschwannen verwendet. Die Verwendung dieses Flammschutzmittels erfolgte von etwa 1955 bis 2014/2015. Auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben noch einige wenige Polystyrolhersteller in Europa die Zulassung, bis 2017 dieses HBCD zu verwenden. Somit kann auch zu heutigen Zeitpunkt „Neuware“ HBCD-haltig sein. Dieses neue Polystyrol muss dauerhaft als HBCD-haltig gekennzeichnet sein. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) empfiehlt seinen Mitgliedern allerdings, keine HBCD-haltigen Dämmstoffe mehr einzusetzen, zumal seit 2014 Dämmstoffe mit dem alternativen Flammschutzmittel Polymer-FR zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus können FCKW/HFCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe/teilhalogenierte Fluorchlorkohlenwasserstoffe) ein weiterer relevanter Schadstoff sein. Allerdings sind davon nur bestimmte Polystyrolmengen betroffen. Lediglich beim sogenannten XPS-Polystyrol wurde bis 2002 als Treibmittel u. a. auch FCKW/HFCKW eingesetzt. Eine eventuelle FCKW/HFCKW-Belastung in diesen Abfällen führte schon vor dem 30.09.2016 zu einer Einstufung als gefährlicher Abfall.

Vorhandene Entsorgungskapazitäten

In Berlin und Brandenburg stehen drei Vorbehandlungsanlagen zur Verfügung, die die HBCD-haltigen Polystyrol-Dämmplattenabfälle annehmen können. Dort werden die Abfälle z. T. vorbehandelt bzw. gelagert und nachfolgend Verbrennungsanlagen zugeführt.

Es besteht die Möglichkeit, diese Abfälle derzeit in zwei Abfallverbrennungsanlagen in Brandenburg zu entsorgen.

Weiterhin werden 16 Sonderabfallzwischenläger in der Region betrieben, die für diese Abfälle die entsprechenden Genehmigungen besitzen und annahmebereit sind.

Darüber hinaus verfügen zurzeit 66 Abfallbeförderer (etwa Containerdienste) über Sammelentsorgungsnachweise, auf deren Grundlage die Abfälle von den Baustellen abgeholt und zu den zugelassenen Entsorgungsanlagen transportiert werden können. Damit besteht speziell für Bau-, Handwerks- und Abbruchfirmen, bei deren Tätigkeit diese Abfälle anfallen, eine unkomplizierte Entsorgungsmöglichkeit.

Eine aktuelle Liste der Firmen, die diese Abfälle als Entsorger oder Sammler annehmen dürfen, ist auf der Internetseite der SBB zu finden.

Weitere Hinweise zur Entsorgung

Polystyrol, welches nicht aus dem Baubereich stammt, und keine anderen Schadstoffe enthält, ist ein nicht gefährlicher Abfall und kann den bisher genutzten ordnungsgemäßen und schadlosen Entsorgungswegen zugeführt werden. Das betrifft beispielsweise Verpackungsstyropor. Auch große Teile der Reste und Verschnitte von Polystyrol-Dämmplatten aus dem Baubereich, die heute verkauft werden, sind nicht gefährlich. Es ist allen Abfallerzeugern anzuraten, eingehend zu prüfen, ob es sich bei den konkret zu entsorgenden Polystyrolmengen in der Tat um gefährliche Abfälle handelt.

Alle Abfallerzeuger sollten HBCD-haltigen Polystyrol-Dämmplattenabfälle nicht direkt den Verbrennungsanlagen zuführen, sondern die Vorbehandlungskapazitäten nutzen, um die Verbrennungskapazitäten zu schonen.

Letzte Aktualisierung: 08.11.2016

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