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15.03.2018Schilde bei Jahrestagung des Landesfischereiverbands

Seddiner See – Die Verbandsaktivitäten und die Auswirkungen des 2017 verabschiedeten brandenburgischen Wassergesetzes sind Schwerpunkte der Jahrestagung des Landesfischereiverbands Brandenburg/Berlin e.V. heute in Seddiner See. In Brandenburg, das eines der gewässerreichsten Bundesländer ist, stehen die Bedingungen, unter denen Binnenfischer arbeiten, von je her im Fokus der Landespolitik und öffentlicher Debatten, betont Brandenburgs Agrar- und Umweltstaatssekretärin Carolin Schilde in ihrem Grußwort zur Mitgliederversammlung.

„Es geht um die Zukunft der Binnenfischerei“, so die Staatssekretärin, „aber auch um den Beitrag der Branche bei der Gewässerpflege, für den Natur- und Umweltschutz, um die Leistungen und Dienstleistungen für Angler, für den Tourismus und die Gastronomie.“

An der Schnittstelle von „Schutz und Nutz“ stehen gerade Fischereibetriebe vor der Herausforderung, Artenschutz mit Gewässerbewirtschaftung in Einklang zu bringen. So machen Rote-Liste-Arten wie Kormoran und Biber, die sich in Brandenburg wieder gut vermehren, seit Jahren den Fischern zu schaffen.

„Es ist ganz klar, dass wir es hier mit zwei Seiten eines Themas zu tun haben, das zugleich ein Erfolg als auch ein Konflikt ist“, so die Staatssekretärin: „Zum einen können wir stolz auf die Artenvielfalt an unseren und um unsere Brandenburger Gewässer sein. Denn dies ist ja auch ein Ausweis für die Wasserqualität und die Gestaltung der Uferbereiche. Zum anderen müssen unsere Fischerfamilien, von denen etliche seit Generationen diesen Beruf ausüben, Erträge erzielen, die es ihnen ermöglichen, wirtschaftlich zu überleben.“

Vor diesem Hintergrund hat das Land seinen Beitrag geleistet, um die Rahmenbedingungen für die Ausübung des Fischereiberufs in Brandenburg zu verbessern: Dazu gehören stabile Pachtbedingungen, eine gut strukturierte Fischereiförderung, der Erlass einer Kormoranverordnung und die Erarbeitung eines Bibermanagements. Über direkte Kontakte in die Europäische Kommission versucht Brandenburg derzeit, die Entwicklung eines länderübergreifenden Managementansatzes für geschützte Arten voranzubringen. Im Weiteren sollen Möglichkeiten für eine finanzielle Unterstützung seitens der EU für Schäden durch geschützte Arten ausgelotet werden.

Die abermals gestiegenen Abschusszahlen bei den Kormoranen unterstreichen die Wichtigkeit der Kormoranverordnung als ein Baustein zur Schadensabwehr (2015: 963 Tiere / 2016: 1.303 Tiere / 2017: 1.644 Tiere). Auch weiter steigende Populationen bei Silber- und Graureihern werden zunehmend zum Problem für die Fischerei. Um die Auswirkungen auf die Erträge besser einschätzen zu können, wird das Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow mit einer Studie beauftragt.

Ein wichtiger Gradmesser für die Entwicklung der Branche ist die Zahl junger Fisch- und Teichwirte. Die Förderung des beruflichen Nachwuchses ist auch ein besonderes Anliegen der Verbandsarbeit. In Kürze wird ein Kooperationsverbund für die Umsetzung der neuen Ausbildungsverordnung seine Arbeit aufnehmen, informiert die Staatssekretärin: „Ziel ist, die den Ausbildungsbetrieben entstehenden finanziellen Mehraufwendungen deutlich zu reduzieren und somit die Chance auf mehr Ausbildungsverhältnisse zu erhöhen. Über diese Möglichkeit hinaus möchte ich bei denjenigen Betrieben, die sich bislang gänzlich nicht oder längere Zeit nicht mehr mit der Lehrlingsausbildung befasst haben, für die Nutzung der betrieblichen Einstiegsqualifizierung werben.“

Steckbrief: Binnenfischerei Brandenburg und Deutschland

Brandenburgs Fluss- und Seenfischer haben landesweit 56.000 Hektar in ihrer Obhut. Die Anzahl der Betriebe liegt bei 100 im Haupterwerb und 25 im Nebenerwerb. Der Jahresfang für das Jahr 2016 wird mit insgesamt 1.052 Tonnen angegeben. Auf den ersten fünf Plätzen liegen folgende Fischarten: Hecht 45,1 Tonnen, Zander, 40,1 Tonnen, Karpfen 35,1 Tonnen, Aal 33,2 Tonnen.

Bei den Fischzuchten und Teichwirtschaften werden landesweit 38 Betriebe gezählt, die 2016 einen Ertrag von 869 Tonnen einholen konnten. Maßgeblich sind hier Karpfen mit 609 Tonnen und Regenbogenforellen mit 260 Tonnen.

Dazu kommen 15.500 Hektar Gewässer, die durch Angelvereine bewirtschaftet werden. Der Landesanglerverband gliedert sich in 1.200 regionale Vereine mit 84.000 Mitgliedern. Insgesamt werden im Land 141.455 gültige Fischereischeine gezählt (siehe Tabelle). In vielen Fällen sind Berufsfischer direkter Partner und Dienstleister für den Landesanglerverband.

Das Gesamtaufkommen der deutschen Binnenfischerei einschließlich Angelfischerei sowie der Aquakultur im Binnenland wurde 2016 auf 41.000 Tonnen geschätzt. Dieser Wert liegt rund drei Prozent unter der Angabe des Vorjahres und sehr deutlich unter Schätzungen aus früheren Jahren.

In Bezug auf die Produktionsmenge bleibt die Aquakultur der ertragreichste Sektor. Hier wurden im Jahr 2016 etwa 20.400 Tonnen Fische aufgezogen. Die die Regenbogenforelle blieb mit mehr als 8.500 Tonnen Speisefischen die ertragsstärkste Art. Während diese Menge in etwa auf Vorjahresniveau liegt, stieg die Ernte an Speisekarpfen im Jahresvergleich um rund sieben Prozent auf 5.200 Tonnen.

Der Fang von Fischen in Seen und Flüssen wurde im Berichtsjahr 2016 auf etwa 20.800 Tonnen geschätzt. Den weitaus größten Anteil daran hat mit 18.200 Tonnen die Angelfischerei. Die erwerbsmäßige Fischerei landete nur etwa 2.619 Tonnen und damit deutlich weniger Fisch als in zurückliegenden Jahren an.

Der Eigenversorgungsgrad bei Süßwasserfischen beträgt in Deutschland aktuell 15 Prozent. Unter Berücksichtigung der in deutschen Binnengewässern gefangenen beziehungsweise in Aquakultur aufgezogenen Mengen sowie des Exports belief sich die in Deutschland im Jahr 2016 konsumierte Menge an Süßwasserfisch auf etwa 113.000 Tonnen Speisefisch. Daraus errechnet sich ein Pro-Kopf-Verbrauch von 1,4 Kilogramm.

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