MLUL

Aufgaben

Fachübergreifende Themen

Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Verwaltung und Service

21.06.2018Eröffnung der Brandenburger Heidelbeersaison in Klaistow

Mit Frühstart: Eröffnung der Brandenburger Heidelbeersaison in Klaistow

Klaistow – Zwar besagt die Bauernregel: Kirschen rot – Spargel tot, in Brandenburg müsste es aber eigentlich heißen: Beeren blau – Spargel mau. Denn viele der heimischen Spargelanbauer haben sich auf Heidelbeeren als Zweitfrucht spezialisiert, die in der Freilandsaison zeitlich nach dem Spargel geerntet werden können. Davon haben die Bauern wie auch ihre Saisonkräfte etwas. Die meist ausländischen  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können länger in Brandenburg beschäftigt werden und die Betriebe machen mit den transport- und lagerfähigen, gesunden Heidelbeeren gute Umsätze. Am Donnerstag (28. Juni, 11.30 Uhr) startet Brandenburgs Gartenbauverband mit vielen Gästen auf dem Spargel- und Erlebnishof Klaistow offiziell in die diesjährige Heidelbeersaison. Wie bei allen Kulturen in diesem Frühjahr ging es in diesem Jahr auch mit der Beerenernte zeitig los.

Dabei ist die Erfolgsgeschichte von Vaccinium corymbosum L. aus der Pflanzenfamilie der Heidekrautgewächse (Ericaceae) vergleichsweise kurz: Kaum eine andere Frucht, hat in den vergangenen zehn Jahren so Karriere gemacht wie die Heidelbeere. Der Konsum steigt weltweit, besonders in Amerika und in Europa

In Europa hat sich der Anbau zwischen 2005 (4.000 Hektar) und 2012 (10.000 Hektar) mehr als verdoppelt. Das ist vor allem auf die Flächenausdehnung in Spanien, Portugal, England, Niederlande, Polen (3.000 Hektar) und Deutschland zurückzuführen.

Heidelbeeren zählen mit Sanddorn, Aronia, Stachelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren zu den Strauchbeeren. Deutschlandweit wurden 2017 auf insgesamt 8.867 Hektar Strauchbeeren angebaut, davon 2.844 Hektar Heidelbeeren. Hauptanbaugebiete sind die Lüneburger Heide, Brandenburg, Teile von Oldenburg sowie Gebiete in Süddeutschland und Mittelbaden.

Heidelbeeren in Brandenburg

2016 bewirtschafteten 55 Brandenburger Betriebe eine Strauchbeerenfläche von 995 Hektar. Mit 280 Hektar ist die Heidelbeere, die in 24 Betrieben angebaut wird, die zweitwichtigste Strauchbeerenart (Sanddorn 369 Hektar).

Aufgrund einer stetig steigenden Nachfrage erhöht sich deren Anbaufläche kontinuierlich weiter. Der Landkreis Potsdam-Mittelmark ist beim Anbau spitze. 2017 wurden hier Heidelbeeren auf 199 Hektar kultiviert.

 

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

Fläche in ha BB

54,87

54,87

54,9

75,0

78,0

81,0

99,19

107,27

117,87

166,17

239,36

280

Ertrag in dt/ha BB

32,3

40,1

60

54,7

50,3

51,9

29

44

69,2

51,5

30,4

46,8

Ertrag in dt/ha Ds

43,2

41,4

29

70

47

52

48,2

50,6

58

48,2

 

48,5

(Quelle: Statistik BB)

Die Geschichte der Kulturheidelbeeren geht zurück auf die Bemühungen der amerikanischen Pflanzenzüchterin Elizabeth Coleman White und den Botaniker Frederick V. Conville, die Ende des 19. Beziehungsweise Anfang des 20. Jahrhunderts mit einem Programm zur Auslese ertragreicher Heidelbeersträucher begannen. Am Institut für Pflanzenzüchtung in Landsberg an der Warte kreuzte auch der deutsche Forscher Dr. Wilhelm Heermann 1928 die bis dahin in Deutschland verbreitete Waldbeere mit größeren Blaubeeren aus Nordamerika. „Er wollte eine größere Frucht haben, die süßer und fruchtiger schmeckt. Im niedersächsischen Grethem fand Heermann ein geeignetes Grundstück und baute Sträucher an. In den Dreißigerjahren konnte der Zuchtbetrieb Dr. Wilhelm Heermann (heute: „Heermanns Blaubeerland") das erste Pflanzgut ausliefern. Erste große Kulturheidelbeerfelder wurden 1950 in der Lüneburger Heide angelegt. Wichtige Impulse für den Anbau im Land Brandenburg sind nach 1990 von der Obstbauversuchsstation des Landesamts für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) in Müncheberg, insbesondere für Dammkulturen, ausgegangen.

Die Beeren sind nicht nur gut haltbar, vielseitig verwendbar und sehr schmackhaft, sie haben auch sehr viele gesundheitsfördernde Eigenschaften und sind zudem noch kalorienarm und vitaminreich. Die Anzucht ist nach wie vor eine langwierige Sache. Pflanzen sind erst nach drei Jahren kräftig und mit 40 bis 60 Zentimetern groß genug, um ins Freiland umgesetzt zu werden. Und dann dauert es weitere sieben bis neun Jahre, bis die Sträucher ihre Größe von bis zu zwei Metern erreicht haben und einen vollen Ernteertrag von 4 bis 10 Kilo pro Strauch erbringen. Zu DDR-Zeiten versorgten sich Berliner und Brandenburger vor allem mit den blauen Beeren aus dem Wald. Aber Waldheidelbeeren und Kulturheidelbeeren stehen zueinander wie Pflaume und Kirsche, sind also nur entfernte Verwandte. Sie gehören zur selben Gattung, unterscheiden sich aber wesentlich: Die einen wachsen als ein kleines Kraut, die anderen sind stattliche Sträucher. Kulturheidelbeeren haben helles Fruchtfleisch, nur die feste Schale ist blau, während Waldheidelbeeren bekanntlich färben. Kulturheidelbeeren sind im Vergleich größer, süßer und haben nur wenige Kerne. Immerhin stellen sie die gleichen Ansprüche an Boden und Witterung wie die Waldheidelbeeren. Sie gedeihen am besten auf lockeren, sauren, nährstoffarmen Sand- oder Moorböden und brauchen viel Sonne.

Noch bis September können in Brandenburg Heidelbeeren geerntet oder gekauft werden. Danach folgt in der Mark die Kürbissaison.

Auswahl

Jahr
Rubrik


Kontakt:

MLUL, Referat MB 2
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Internationale Kooperation
Dr. Jens-Uwe Schade
Pressesprecher
Tel.: 0331/ 866 -7016
E-Mail an Dr. Schade