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15.11.2018Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel in der Landwirtschaft in Brandenburg

Vogelsänger beantwortet Anfrage im brandenburgischen Landtag

Potsdam – Zu der unter Federführung des Agrar- und Umweltministeriums beantworteten Anfrage im brandenburgischen Landtag „Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel in der Landwirtschaft in Brandenburg“ (Große Anfrage 33) hat Minister Jörg Vogelsänger heute für die Landesregierung Stellung genommen.

„Mit weniger als 5 Millionen Tonnen jährlicher Treibhausgasemissionen hat unsere Agrarwirtschaft für die brandenburgische Klimaschutzpolitik nicht das Gewicht  wie die Energiewirtschaft mit ihren Emissionen von zirka 59 Millionen Tonnen im Jahr“, so der Minister: „Das heißt aber nicht, dass unsere Bäuerinnen und Bauern dem Klimawandel nur zusehen, sondern im Gegenteil: Brandenburgs Agrarwirtschaft ist – im Wortsinn – auf ihrem Feld höchst aktiv, wenn es darum geht, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.“

Im Ergebnis wurden in der Landwirtschaft die Emissionen anteilig fast ebenso stark gesenkt wie in der Energiewirtschaft, „nämlich um mehr als 30 Prozent im Vergleich zu 1990“, betont der Minister. Damit leistet auch die Brandenburger Landwirtschaft  ihren Beitrag zur Umsetzung der Pariser Klimaziele.

Klimaschutzziele für die Landwirtschaft

Auf der Pariser Klimaschutzkonferenz 2015 hat sich Deutschland zur weitgehenden Treibhausgasneutralität bis 2050 verpflichtet. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Bundesregierung den Klimaschutzplan 2050 aufgestellt. Dieser Plan formuliert bereits für das Jahr 2030  anspruchsvolle, mit Vorschlägen untersetzte Zwischenziele. Er enthält erstmals auch für die Landwirtschaft ein konkretes, nationales Treibhausgasminderungsziel.

Partner für den Klimaschutz

„Brandenburg ist Standort wichtiger agrar- und umweltwissenschaftlicher Forschungseinrichtungen. Die finden nicht zuletzt dank der hohen Qualifikation vieler Betriebsleiter Partner in der Landwirtschaft, um innovativ und praxisnah klimaschutzrelevante Veränderungen umzusetzen“, betont Vogelsänger.

Das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS), das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DIfE), die Universität Potsdam, das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die Brandenburgische Technische Universität Cottbus–Senftenberg (BTUC), das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) und die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) sind Forschungseinrichtungen in Brandenburg, die sich mittelbar oder unmittelbar mit landwirtschaftlichen Fragen und den Folgen des Klimawandels beschäftigen

Das Land unterstützt im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) im Agrarbereich drei Vorhaben, die sich mit der Problematik der Bewässerungseffizienz befassen. Dabei handelt es sich um die Projekte „Precision Irrigation“, „Aqua C+“ und „Trees4Streets“. Ein weiteres Projekt zielt auf die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und die langfristige Bindung von Kohlenstoff im Boden: das Projekt „Gärprodukte zur Verbesserung der Stallhaltung und der Bodenstruktur“, in dem Biokohle aus Gärprodukten zum Einsatz kommt (https://eip-agri.brandenburg.de).

Klimaschutz und Tierhaltung

Klimabedingte Probleme der Tierhaltung beeinflussen die Haltungsqualität der Tiere unabhängig von der Größe der Bestände. In der Stallhaltung kommt es daher darauf an, mit baulichen und Managementmaßnahmen für gute Lüftung und Abkühlung zu sorgen. In der Freilandhaltung und in Ausläufen sind Schattenspender das Mittel der Wahl. Eine ausreichende Wasserversorgung ist bei jeder Haltungsvariante sicherzustellen. Für Maßnahmen zur Verbesserung der Tierhaltung in den Ställen kann hierfür durch landwirtschaftliche Betriebe die Agrarinvestitionsförderung in Anspruch genommen werden.

Das Land fördert über die einzelbetriebliche Investitionsförderung im Rahmen des ELER auch Stallmodernisierungen, die Emissionen von Klimagasen aus der Viehhaltung reduzieren. Bis Ende 2017 wurden in der laufenden EU-Förderperiode sieben Vorhaben zur emissionsärmeren Güllelagerung mit einem Gesamtinvestitionsvolumen in Höhe von 2.667.375 Euro bereitgestellt.

Mehr Tierwohl bedeutet meist mehr Auslauf, mehr Frischluft. Offene Systeme sind allerdings in Bezug auf die Abluftreinigung schwieriger zu managen.

Klimaschutz und Landbewirtschaftung

Mit der vom Bund am 26. Mai 2017 verschärften Düngeverordnung verknüpft sich die Erwartung, dass die Maßnahmen zur Erhöhung der Stickstoffeffizienz zur weiteren Reduzierung der Klimagas-Emissionen beitragen. Gerade wegen der Brandenburg prägenden leichten Böden sind Landwirte – egal ob konventionell oder bio – auf Dünger angewiesen.

Das Land fördert Technik zur Optimierung der Düngung sowie extensive Flächenbewirtschaftung. In der Summe wurden in der aktuellen EU-Förderperiode auf 196.450 Hektar Maßnahmen mit Beiträgen zur Reduzierung der landwirtschaftlichen Düngung gefördert und dafür 31,5 Millionen Euro eingesetzt.

Im Agrarförderprogramm sind Injektionsgeräte für die Ausbringung von Gülle, Gärresten, Jauche und Sickersaft, an Tankwagen angebaute Geräte zur Direkteinarbeitung von Gülle, Gärresten, Jauche und Sickersaft wie Grubber, Scheibeneggen, Scheibenschlitzgeräte und vergleichbare Techniken sowie Schleppschuhverteiler jeweils mit und ohne Tankwagen förderfähig.

Agrarumweltmaßnahmen und der ökologische Landbau reduzierten 2016 die Emissionen um 210.000 Tonnen CO2-Äquivalent.

Derzeit laufen zwei Projekte im Agrar- und Umweltministerium zur Ermittlung des räumlichen Aufkommens an Wirtschaftsdünger mit dem Ziel, alle Potenziale zur energetischen Verwertung auszuschöpfen. In Auswertung der Potenzialanalyse werden Landwirte kostenlos zur Optimierung ihrer Biogasanlagen und zu Möglichkeiten der Verwertung von Wirtschaftsdünger beraten.

Mit der Agrarzahlungen-Verpflichtungenverordnung werden Festlegungen getroffen, wie eine Bodenbearbeitung zur Begrenzung von Wasser- und Winderosion zu erfolgen hat. Diese Anforderungen werden im Rahmen von cross compliance kontrolliert.

Agrarförderung und Moorschutz

Über die Agrarförderung stellt das Land den Hauptteil der Mittel für den Moorschutz bereit.

KULAP-Teilmaßnahme innerhalb der MoorkulisseFörderfläche 2017 in Hektardavon mit DüngungsverzichtGrünland gesamt in der Moorkulisse
Extensive Grünlandbewirt­schaftung KULAP 50.100 29.400  
Ökolandbau-Grünland 30.200 13.600  
Moorschonende Stauhaltung 405 405
Nutzung von Ackerland als Grünland 1.500 1.500  
Umwandlung von Ackerland in Grünland 100 100  
Zwischensumme 82.305 45.005  
Extensive Grünlandbewirtschaftung mit Natura-2000-Ausgleich 9.399 900
Summe 91.704 45.905 123.650

Zirka 65 Prozent der Grünlandflächen in der Moorkulisse werden mit der Förderung erreicht.

Nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien

Rohstoffe vom Acker gewinnen in Brandenburg immer mehr an Bedeutung. Für Deutschland wird nach Angaben der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. der Anbauumfang von Energiepflanzen im Jahr 2017 auf 2,35 Millionen Hektar geschätzt. Das wären zirka 14 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland.

Insgesamt wurden nach Angaben der Bundesnetzagentur mit Stand vom Juni 2018 im Zeitraum von 2015 bis 2018  3.700 Hektar zur Solarstromerzeugung genutzt, davon waren 158 Hektar als Ackerland ausgewiesen.

Kurzumtriebsplantagen gab es 2016 im Land Brandenburg auf 2.180 Hektar. Durch die Etablierung von Agroforstsystemen können mehrfach positive Wirkungen erreicht werden: Neben einer Erhöhung der Biodiversität und des Verdunstungs- und Erosionsschutzes kommt es durch Humusanreicherung zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Alternativen im Energiepflanzenanbau wie Mais-Bohnengemische oder mehrjährige Wildpflanzenmischungen wirken in ähnlicher Richtung und sorgen im Fall mehrjähriger Pflanzen gleichzeitig für Dauerbewuchs und extensive Bewirtschaftung.

An der Spitze der Bewegung

Vogelsänger: „Hartnäckige Leugner haben spätestens seit dem Sommerhalbjahr 2018 schlechte Karten: Was Wissenschaftler, gerade auch vom Potsdam-Institut für Klimafolgeforschung (PIK), seit langem prognostiziert haben, kann inzwischen vielfach belegt werden. Die Auswirkungen sich schneller vollziehender Veränderungen beim Klimawandel führen dazu, dass auch in Brandenburg häufiger Wetterextreme zu verzeichnen sind und dass die Region stärker unter den Einfluss des kontinentalen Klimas gerät. Prognosen gehen weiterhin davon aus, dass der Trend zu einer verlängerten Vegetationsperiode mittelfristig bestehen bleiben wird. All dies stellt gerade Land- und Forstwirtschaft vor große Herausforderungen, die auch zu Veränderungen führen werden. Brandenburgs Land- und Forstwirtschaft gehören – schon aus großem Eigeninteresse – zur Spitze der Bewegung, wenn es um mehr Klimaschutz und Anpassungen an den Klimawandel geht.“

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