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21.01.2019Hintergrund: Brandenburger Agrar- und Ernährungswirtschaft

Berlin – Der Brandenburg-Tag auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin ist heute der Messehöhepunkt für die Aussteller aus Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft, Ernährungshandwerk und Tourismus. Die Angebote an den 78 Ständen machen neugierig auf mehr: Die vor allem von kleinen und mittelständischen Unternehmen bestimmte Agrar- und Ernährungswirtschaft zählt in Brandenburg zu den prägenden Bereichen, nicht zuletzt auch, weil die Produktion und Vermarktung landesweit an vielen Standorten stattfindet. Auf ihre Leistungen können Brandenburgs „Grüne Branchen“ stolz sein, gerade auch nach dem Dürrejahr 2018, das nicht nur für Ackerbauer, sondern auch für viele Tierhalter erhebliche wirtschaftliche Einbußen bedeutet hat.

Bauern bewirtschaften mit rund 1,3 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche fast 45 Prozent der Bodenfläche des Landes. Nach den zuletzt verfügbaren Erhebungen sind in 5.400 Agrarbetrieben fast 39.000 Mitarbeitern beschäftigt. 2016 erwirtschafteten die landwirtschaftlichen Produktionsbetriebe 733 Millionen Euro Bruttowertschöpfung. Obwohl der Anteil der Landwirtschaft von 1,2 Prozent an der Bruttowertschöpfung der gesamten brandenburgischen Wirtschaft auf den ersten Blick gering erscheinen mag, ist dies doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt!

Ackerbau

80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden als Ackerland und 20 Prozent als Dauergrünland genutzt.

Von Brandenburgs Feldern wurde 2018 mit 1,9 Millionen Tonnen Getreide rund ein Viertel weniger als im Vorjahr geerntet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch 2017 kein gutes Erntejahr war. Im Vergleich zum sechsjährigen Durchschnitt 2012 bis 2017 ergibt sich ein deutliches Minus von 31 Prozent. Eine noch geringere Erntemenge als 2018 wurde zuletzt 2003 mit knapp 1,6 Millionen Tonnen ermittelt. Der Hektarertrag liegt wegen der Trockenheit mit fast 40 Dezitonnen pro Hektar fast ein Viertel unter dem Ertrag des Jahres 2017. In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es nur 2003 mit knapp 32 Dezitonnen je Hektar ein noch schlechteres Ergebnis.

Bei dem im Anbau dominierenden Winterweizen mit einer Fläche von 164.400 Hektar ergab sich ein Ertrag von fast 49 Dezitonnen je Hektar, 23 Prozent unter dem Vorjahr 2017. Der zu Hektarertrag beim Roggen, der auf einer Fläche von 157.300 Hektar wuchs, ergab 31 Dezitonnen je Hektar, während im bereits ernteschwachen Jahr 2017 immerhin noch 38 Dezitonnen je Hektar gedroschen werden konnten. Weiterhin gab es bei der Wintergerste einen deutlichen Ertragsrückgang um 26 Prozent. Von dieser Getreideart wurden rund 46 Dezitonnen je Hektar gedroschen. Für Triticale, eine Kreuzung aus Winterweizen und Roggen, ergab sich ein Ertrag von 34 Dezitonnen je Hektar. 2017 waren es noch fast 46 Dezitonnen je Hektar. Beim Hafer wurde ein Ertrag von 18 Dezitonnen je Hektar kalkuliert. Damit lagen auch hier die Ertragserwartung rund 40 Prozent unter den Ergebnissen des Vorjahrs.

Beim Winterraps, Brandenburg wichtigster Ölfrucht, ergab sich ein Ertrag von 24 Dezitonnen je Hektar. Im Jahr 2017 lag der Ertrag bei 27 Dezitonnen je Hektar. Dagegen konnten 2015 36 Dezitonnen je Hektar und 2014 sogar mehr als 42 Dezitonnen je Hektar gedroschen werden. Wie andere landwirtschaftliche Kulturen hatte auch der Winterraps unter der extremen Dürre zu leiden.

Brandenburg gilt für viele immer noch als Kartoffelland - heute gibt es nur noch wenige spezialisierte Betriebe, die die Knollen anbauen: Die Anbaufläche von fast 10.800 Hektar wurde zwar wieder gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozent ausgedehnt, dafür war es die schlechteste Kartoffelernte seit 1991. 2018 wurden in Brandenburg 270.600 Tonnen Kartoffeln gerodet. Allein im Vergleich zum Vorjahr waren es fast 87.000 Tonnen weniger Knollen. Der Kartoffelertrag belief sich 2018 auf 251 Dezitonnen pro Hektar. Ein noch niedriger Hektarertrag war zuletzt für 1995 mit 191,7 Dezitonnen je Hektar zu vermelden. Das Rodungsergebnis lag um 29 Prozent unter dem von 2017 und sogar um 31 Prozent unter dem langjährigen Mittel 2012 bis 2017.

Aufgrund der Trockenheit kamen auch viele Tierhalter unter Druck. Insbesondere deshalb hat Brandenburg aus Landesmitteln ein eigenes Futterzukaufsprogramm realisiert. Insgesamt 354 Antragsteller erhielten rund 3,55 Millionen Euro als Unterstützung.

In der Abarbeitung ist das gemeinsame Bund-Länder-Programm „Dürrehilfe": Hier liegen der Investitionsbank des Landes Brandenburg 778 Anträge vor. Das Land hat für dieses Programm 23 Millionen Euro, der Bund weitere 23 Millionen Euro bereitgestellt.

Für drei Fischereibetriebe wurden 2018 als Ausgleich für widrige Witterungsbedingungen insgesamt rund 420.000 Euro bewilligt.

Gartenbau

Im Gartenbau gibt es Licht und Schatten - positiv: Äpfel sind mit 873 Hektar im Land Brandenburg die wichtigste Obstart. 2018 gab es Brandenburgs Apfelanbauer eine sehr gute Apfelernte. So wird eine Gesamterntemenge von gut 30.100 Tonnen angegeben (335 Dezitonnen je Hektar). Dies entspricht nach 2016 dem zweithöchste Apfelertrag in Brandenburg seit 1991.

Die Brandenburger Landwirte erzielten mit rund 22.200 Tonnen Spargel erneut eine Rekordernte. Schon 2017 wurde mit fast 22.000 Tonnen ein sehr gutes Ernteergebnis realisiert.

Zudem erwartet die kleine Gruppe der Brandenburger Weinbauer einen sehr guten 2018-er Jahrgang.

Tierhaltung

Zum Stichtag 3. November 2018 gab es in Brandenburg 518.700 Rinder. Besonders stark fiel der Rückgang bei den Jungrindern und der ein- bie zweijährigen Rinder azs. So verringerte sich der Bestand der männlichen Jungrinder um 2.500 auf 9.100 Tiere. Das entspricht einer Abnahme um 21,2 Prozent. Bei den weiblichen Jungrindern sank der Bestand um 2.800 auf 27.400 Tiere. Anteilig beträgt der Rückgang hier 9,2 Prozent. Der Bestand an Milchkühen sank um 2.400 auf 148.800 Tiere. Das entspricht einem Minus von 1,6 Prozent. Die Zahl der sonstigen Kühe, in Brandenburg sind dies fast ausschließlich Ammen- und Mutterkühe, ging um 1.700 auf 88.800 Tiere oder 1,9 Prozent zurück.

Nach dem vorläufigen Ergebnis der Erhebung über die Schweinebestände zum 3. November 2018 wurden in Brandenburg 751.700 Schweine gehalten. Das waren das gegenüber dem Mai des Jahres fast 2.800 Tiere oder 0,4 Prozent weniger. Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe blieb mit 169 ebenfalls nahezu unverändert. Im langjährigen Vergleich wird deutlich, dass zuletzt im November 2008 mit 732.700 Tieren noch weniger Schweine in Brandenburg gehalten wurden.

Im Land Brandenburg werden rund 900 Millionen Eier für den Verzehr produziert.

Ökologischer Landbau

Seit Beginn der aktuellen EU-Förderperiode im Jahr 2014 hat sich die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Brandenburg von 134.763 Hektar auf 155.431 Hektar im Jahr 2017 entwickelt. Das ist ein Anstieg von insgesamt 20.668 Hektar. Für 2018 wurden 8.000 Hektar neu im Förderprogramm ökologischer Landbau beantragt. Derzeit werden rund 11,4 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Brandenburgs nach den Kriterien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Brandenburg gehört damit zur Spitze der deutschen Bundesländer. Rund 1.175 Unternehmen in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg fallen unter das europäische Bio-Siegel.

Cluster Ernährungswirtschaft

Mit rund 3.400 Unternehmen - von der Land- und Ernährungswirtschaft, in Verbindung mit Logistik und Handel - zählt das Cluster Ernährungswirtschaft zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen Brandenburgs. Das Cluster Ernährungswirtschaft umfasst die Erzeugung und Verarbeitung von Lebens- und Futtermitteln sowie deren Absatz. Wichtige Produktionsgebiete der Ernährungswirtschaft in Brandenburg sind das schlacht- und fleischverarbeitende Gewerbe, die Produktion von Back- und Teigwaren, die Getränkeherstellung, die Futtermittelproduktion, die Milchverarbeitung sowie die Obst- und Gemüseverarbeitung.

Mit über 3,8 Milliarden Euro und fast 13.000 Mitarbeitern in Betrieben mit über 20 Mitarbeitern gehört die Ernährungsbranche zu den stärksten Wirtschaftszweigen des verarbeitenden Gewerbes in Brandenburg.

Handwerkliche Bäckereien und Fleischer gehören darüber hinaus zu den wichtigen Arbeitgebern, gerade im ländlichen Raum. Mit ihren Filialen stellen gerade die handwerklichen Betriebe in kleineren und mittleren Gemeinden die Versorgung ortsnah sicher. Die Exportquote ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Obwohl regionale Produkte bei Umfragen bei Verbrauchern stets hoch bewertet werden, liegt ihr Beitrag am Umsatz unter 10 Prozent. Gerade der deutsche Binnenmarkt mit den hier marktbeherrschenden, großen Handelsketten stellt kleinere regionale Produzenten und Vermarkter, wie sie in der Brandenburg-Halle 21A anzutreffen sind, immer wieder vor große Herausforderungen. Das Land unterstützt die heimische Agrar- und Ernährungswirtschaft bei der Erschließung neuer Märkte mit einer Reihe von Maßnahmen und Programmen. Auch während der zehn Messetage der Grünen Woche 2019 haben sich Handelsdelegationen fast aller großer deutscher Lebensmitteleinzelhändler beim Verband pro agro angesagt, um hier mit Brandenburger Unternehmern ins Gespräch zu kommen und Listungen regionaler Produkte zu prüfen.

Quellen: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, MLUL, MWE, LELF, Cluster Ernährungswirtschaft


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