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Handelsklassen und Vermarktungsnormen

Standardisierung bei Obst und Gemüse, Eier, Fleisch und Geflügel

Kennzeichnung Handelsklasse I Neues Fenster: Bild - Kennzeichnung Handelsklasse I - vergrößern © Levin

Bestimmte Landwirtschaftliche Erzeugnisse sind standardisiert, um den internationalen Handel zu erleichtern und transparent zu gestalten, aber insbesondere auch dem Verbraucher wichtige Informationen über die Erzeugnisqualität zu geben. Die Standardisierung erfolgt international durch die UN-ECE und dem Codex Alimentarius.

Die Europäische Union hat für bestimmte Produkte auf dem Verordnungswege Handelsklassen und/oder Vermarktungsnormen festgesetzt, deren Einhaltung streng kontrolliert wird.

Die bestehenden spezifischen Regelungen zu den Vermarktungsnormen sind zum Teil sehr umfangreich, deshalb kann nachfolgend nur beispielhaft ein sehr kurzer Überblick gegeben werden.

Obst und Gemüse

Allgemeine Vermarktungsnorm

Beispiel einer korrekten Kennzeichnung ÄpfelNeues Fenster: Bild vergrößernKorrekte Kennzeichnung Äpfel © LevinObst und Gemüse für das keine spezielle Vermarktungsnorm gilt, muss einer allgemeinen Vermarktungsnorm entsprechen. Nach der allgemeinen Vermarktungsnorm dürfen die Erzeugnisse des Sektors Obst und Gemüse, die frisch an den Verbraucher verkauft werden sollen, nur in Verkehr gebracht werden, wenn sie in einwandfreiem Zustand, unverfälscht und von vermarktbarer Qualität sind und das Ursprungsland angegeben ist.

Spezifische Vermarktungsnormen

Für die Früchte

  • Äpfel
  • Zitrusfrüchte
  • Kiwis
  • Salate, krause Endivie, Eskariol
  • Pfirsiche, Nektarinen
  • Birnen
  • Erdbeeren
  • Gemüsepaprika
  • Tafeltrauben
  • Tomaten/Paradeiser

sind spezifische Vermarktungsnormen in Kraft gesetzt, die die jeweiligen Güteeigenschaften der Früchte bestimmen.

Deutsche Erdbeeren © MLULEs sind jeweils spezifische Mindesteigenschaften festgelegt, die einfach und überwiegend visuell erkennbar sind. Die Früchte müssen unabhängig von der Klasseneinteilung sauber, gesund, ganz, frei von Schädlingen und ähnliches mehr sein. Für alle Früchte gibt es eine einheitliche Klasseneinteilung, wobei die inhaltliche Ausgestaltung früchtespezifisch bestimmt ist.

  • Klasse Extra - frei von allen Mängeln
  • Klasse I - bestimmte leichte Mängel sind möglich
  • Klasse II - bestimmte Fehler sind möglich

Die spezifischen Vermarktungsnormen für Obst und Gemüse beinhalten darüber hinaus für jede Fruchtart Bestimmungen betreffend Größensortierung, Toleranzen, Aufmachung und Kennzeichnung.

Bei der Kennzeichnung ist mindestens die genaue Art des Erzeugnisses (z. B. Apfel – Jona Gold), das Ursprungsland und die Handelsklasse anzugeben.

Eier

Eier werden in die Handelsklassen A und B eingeteilt.

Eier © MLULBei Eiern der Klasse A müssen der Zustand der Schale und Kutikula, der Luftkammer, des Eiklars, des Dotters, des Keims sowie der Geruch des Eies ohne Beanstandungen sein.

Staatlich zugelassene Packstellen verfügen über technische Anlagen zur Feststellung der Güteklasse und nehmen die Sortierung, Kennzeichnung und Verpackung vor. Packstellen unterliegen der staatlichen Handelsklassenkontrolle. Jeder Packstelle ist eine Kennnummer zugeordnet, die auf der Verpackung anzugeben ist.

Erfüllen Eier die Qualitätsmerkmale der Klasse A nicht werden sie in die Klasse B eingestuft. Eier der Klasse B sind sogenannte Industrieeier, die nicht in den Handel gelangen.

Eier der Klasse A werden nach folgenden Gewichtsklassen sortiert:

  • XL  -  Sehr groß mehr als 73 g
  • L     -  Groß 63 g bis 73 g
  • M    -  Mittel 53g bis 63 g
  • S     -  Klein unter 53 g

Eier der Klasse A sind mit einem Erzeugercode zu kennzeichnen, aus dem die Herkunft bis in den einzelnen Stall hervorgeht.

Der Erzeugercode besteht aus dem Code für das Haltungssystem (1. Ziffer)

Code für das Haltungssystem

  • 0  =  Ökologische Erzeugung
  • 1  =  Freilandhaltung
  • 2  =  Bodenhaltung
  • 3  =  Käfighaltung

dem Code für den Mitgliedsstaat (zwei Buchstaben, z.B. DE für Deutschland, NL für Niederlande oder AT für Österreich) und einem Betriebscode (anschließend folgenden Ziffern).

Zum Beispiel:

1-DE-1212341

  • 1   Haltungsform: Freilandhaltung
  • DE   Herkunft: Deutschland
  • 12 1234 1    Betriebsnummer:
    • erste u. zweite Stelle Bundesland (12 = Brandenburg)
    • dritte bis sechste Stelle Betrieb
    • siebente Stelle jeweilige Stall

Eier der Güteklasse A müssen deutlich sichtbar, leicht lesbar und mindestens zwei Millimeter hoch mit dem Erzeugercode gekennzeichnet werden.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) darf 28 Tage nach dem Legen nicht überschreiten. Letztes Verkaufsdatum ist der 21. Tag nach dem Legen.

Geflügel

Geflügelschlachtkörper und –teilstücke werden in Abhängigkeit von der Fleischigkeit, dem Aussehen und Gewicht in die Handelsklassen A und B eingestuft. Um Geflügelfleisch zu vermarkten, müssen grundsätzlich folgende Mindestanforderungen erfüllt sein:

  • Sauber und frei von sichtbaren Fremdstoffen, wie z.B. Schmutz oder Blut
  • Frei von Fremdgeruch
  • Keine sichtbaren Blutspuren
  • Keine herausragenden gebrochenen Knochen
  • Keine starken Quetschungen

Geflügel © MILFür die Handelsklasse A müssen Schlachtkörper bzw. Teilstücke eine bestimmte Fleischfülle aufweisen sowie mit einer gewissen Fettschicht überzogen sein. Die Haltungsform, wie z.B. extensive Bodenhaltung, Freilandhaltung, Bäuerliche Freilandhaltung oder auch Bäuerliche Freilandhaltung – unbegrenzter Auslauf -, kann auf dem Etikett angebracht werden, insofern die dementsprechenden Bedingungen eingehalten werden.

Bei frischem Geflügelfleisch ist das Verbrauchsdatum mit der Bezeichnung „Verbrauchen bis“ anzugeben.

Fleisch

Allgemein

Nach einem Gemeinschaftlichen Handelsklassenschema sind Schlachtkörper von Rindern, Schweinen und Schafen im Hinblick auf die Qualitäts- und Preisbestimmung in Handelsklassen einzustufen, insofern der Schlachtbetrieb einen bestimmten wöchentlichen Mindestumfang an durchgeführten Schlachtungen überschreitet. Der Schlachtkörper bedarf dabei einer bestimmten Aufmachung (Zuschnitt).

Hinweis zur Fleischqualität:

Rohes Rindfleisch © MILGute Fleischqualität zeichnet sich in erster Linie durch hohen Genusswert aus. Der wiederum setzt sich aus Zartheit, Saftigkeit und guten Geschmack zusammen. Rindfleisch sollte gereift, also abgehangen sein. Durch die Fleischreifung wird es schön zart. Je hellroter die Farbe, desto frischer, also auch zäher, ist Rindfleisch. Schweinefleisch muss frisch sein und eine hellrote Farbe aufweisen. Blasses Fleisch ist meist trocken und zäh. Fett ist der wichtigste Geschmacksträger. Daher sollte das Fleisch nicht zu mager sein. Leichte Marmorierungen (feinste Fettäderchen) sind für einen saftigen Biss und besonders guten Geschmack verantwortlich. Fettränder sollten daher erst nach der Zubereitung entfernt werden.

Speziell

Bei Rindern erfolgt die Einstufung nach Fleischigkeits- und Fettgewebsklassen. Die Muskelfülle bestimmt die Fleischigkeitsklasse.

Dabei steht die Klasse

  • E   für vorzüglich
  •  für sehr gut
  • R   für gut
  •  für mittel
  • P   für gering

Die Fettgewebsklasse wird durch die Fettabdeckung bestimmt.

Dabei steht die Klasse

  • 1    für sehr gering
  • 2    für gering
  • 3    für mittel
  • 4    für stark
  • 5    für sehr stark

Darüber hinaus erfolgt eine Untergliederung in Kategorien, wie z.B. Kalbfleisch, Jungrindfleisch, Jungbullenfleisch, Bullenfleisch, Ochsenfleisch, Kuhfleisch und Färsenfleisch.

Bei Schweinen erfolgt die Einstufung nach dem Muskelfleischanteil bezogen auf das Schlachtkörpergewicht, der aus einem Verhältnis von Fleisch- und Speckmaß ermittelt wird.

Der Muskelfleischanteil (v.H.) beträgt bei Klasse

  • S     60 und mehr
  • E     55 und mehr
  • U     50 und mehr
  • R     45 und mehr
  • O     40 und mehr
  • P  < 40

Schlachtkörper von Sauen werden in die Handelsklasse M und von Ebern und Altschneidern in die Handelsklasse V eingestuft.

Schafschlachtkörper werden in die Kategorien

  • A    Lämmer unter 12 Monate
  • B    andere Schafe

eingestuft. Die Preisbildung erfolgt vorwiegend pauschal.